Proteste gegen Unabhängkeit: 

netzeitung.deTausende Serben demonstrieren im Kosovo

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Serbische Jugendliche werfen einen Feuerwerkskörper in die Richtung von UN-Polizisten (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Serbische Jugendliche werfen einen Feuerwerkskörper in die Richtung von UN-Polizisten
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der serbische Widerstand gegen die Unabhängigkeit des Kosovo lässt nicht nach: In der Stadt Kosovska Mitrovica ist es zu gewalttätigen Angriffen auf UN-Polizisten gekommen.

Tausende Serben haben am Freitag in der Stadt Kosovska Mitrovica im Norden des Kosovo gegen die Unabhängigkeit der früheren serbischen Provinz demonstriert. Die rund 5000 Demonstranten trugen serbische Fahnen mit sich und riefen: «Kosovo gehört uns.» Dabei griffen einige Demonstranten UN-Polizisten an. Sie schleuderten Steine und leere Flaschen auf die Polizisten. Auch Feuerwerkskörper wurden gezündet.

Die Sicherheitskräfte wollten die Menge davon abhalten, eine Brücke zu überqueren, die in die andere Hälfte der zwischen Serben und Kosovo-Albanern geteilten Stadt führt. An der Brücke über den Fluss Ibar waren starke Einheiten der Kosovo- und der internationalen Polizei stationiert, um ein Vordringen der Demonstranten in die von Albanern bewohnte Südhälfte der Stadt zu verhindern. Auch Hubschrauber waren im Einsatz, berichten Augenzeugen vor Ort. Berichte über Verletzte lagen nicht vor.

Zuvor waren Dutzende Busse mit Studenten aus Serbien an der Einreise ins Kosovo gehindert worden. Die von der Nato geführte Friedenstruppe Kfor sperrte die Grenzübergänge zu Serbien.

Thaci fühlt sich an Ära Milosevic erinnert
Die jüngste Welle der Gewalt in Belgrad erinnert nach Worten des kosovarischen Ministerpräsidenten Hashim Thaci an die Ära des früheren serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic. In seinem ersten Interview seit Ausrufung der Unabhängigkeit bezeichnete der Regierungschef am Freitag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP die Bilder von dem Überfall auf die US-Botschaft in Belgrad als schrecklich. «Was wir gestern in Belgrad gesehen haben, ist Vergangenheit», sagte er weiter.

«Meine Botschaft an Serbien und die Serben lautet: Nach vorne blicken und nicht mit der Geisteshaltung der Vergangenheit, der Zeiten Milosevics, an die Dinge herangehen.» Thaci zeigte sich zuversichtlich, dass die Nato-Soldaten und die diplomatische Anerkennung des Kosovos durch die USA und mehrere europäische Staaten die Sicherheit des jungen Staates garantieren. Als unbegründet tat er Meinungen ab, die Staatlichkeit des Kosovos werde nicht von langer Dauer sein. «Alles ist klar, wir haben eine massive Anerkennung», sagte er. «Kosovo ist ein unabhängiger Staat, souverän und demokratisch.» Er hoffe, dass es in Zukunft auch zu Serbien gutnachbarschaftliche Beziehungen gebe.

USA schließen Konsulat in Banja Luka
Unterdessen haben die USA am Freitag das Konsulat in Banja Luka in der Serbenrepublik im Norden Bosniens aus Sicherheitsgründen geschlossen. Wie der US-Botschafter in Bosnien, Charles English, am Freitag in Sarajevo sagte, konnten die Behörden der bosnischen Serbenrepublik nicht garantieren, dass es keine neue Angriffe auf die Vertretung geben werde. Am Donnerstag hatten rund 3000 aufgebrachte Serben das Gebäude mit Steinen angegriffen. Sie protestierten damit gegen die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovos durch die USA. (AP/dpa)