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Türkisch-kurdischer Konflikt: 

Türkei marschiert in Nordirak ein

22. Feb 2008 10:35, ergänzt 15:10
Türkische Soldaten in der Gebirgsregion an der Grenze zum Irak
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Im Kampf gegen kurdische Rebellen haben Bodentruppen der türkischen Armee die Grenze zum Nachbarland Irak überschritten. Die EU und die Bundesregierung äußerten sich besorgt über die Entwicklung.

Türkische Soldaten sind bei einem Einsatz gegen die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK in das Nachbarland Irak eingedrungen. Die Aktion sei am Donnerstagabend begonnen worden und richte sich gegen Lager der PKK im Norden des Irak, teilte der Generalstab am Freitag mit. Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül habe seinen irakischen Kollegen Dschalal Talabani über die Ziele der Bodenoffensive informiert, teilte sein Büro mit. Die EU und die Bundesregierung äußerten sich besorgt über die Entwicklung.

Nach türkischen Medienberichten sind rund 10.000 Soldaten sowie rund 50 Kampfhubschrauber an der Aktion beteiligt. Ein Sprecher der kurdischen Sicherheitskräfte in der nordirakischen Stadt Erbil erklärte unterdessen, seit Donnerstag seien 2000 zusätzliche kurdische Kämpfer («Peschmerga») in die Nähe der Grenze verlegt worden, «um sich der türkischen Armee entgegenzustellen, falls dies notwendig werden sollte».

Kurdische Rebellen berichteten, bei Gefechten seien zwei türkische Soldaten getötet und acht weitere verletzt worden. Bei den Angriffen seien drei Brücken zerstört worden, sagte PKK-Sprecher Ahmad Danas. Seine Angaben wurden zunächst nicht bestätigt. Die irakischen Grenztruppen berichteten, mehrere kurdische Dörfer in der Grenzregion seien beschossen worden. Der amtlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge hoben mehrere Kampfflugzeuge vom Luftwaffenstützpunkt Diyarbakir in der Südosttürkei ab. Der Nachrichtenagentur Dogan zufolge wurde der Grenzübergang Habur geschlossen. Der stellvertretende Ministerpräsident Hayati Yazici sagte dagegen im Sender CNN-Türk, an dem Übergang hätten Militärfahrzeuge Vorrang.

Kurdische Dörfer bombardiert

Irakische Grenztruppen berichteten, mehrere kurdische Dörfer seien beschossen worden. Es handle sich um Ortschaften in der Gegend von Sedafan, rund 30 Kilometer von der Grenze entfernt, sagte Oberst Hussein Tamer. Dschabbar Jawar von den irakisch-kurdischen Sicherheitskräften zufolge wurden Gebiete im Grenzgebiet bombardiert. Laut einem Bericht der türkischen Nachrichtenagentur Dogan wurde der Grenzübergang Habur geschlossen. Die US-Streitkräfte im Irak erklärten, sie seien darüber informiert worden, dass die Bodenoffensive zeitlich begrenzt und ausschließlich gegen kurdische Rebellen gerichtet sei.

Der türkische Außenminister Ali Babacan hatte Anfang der Woche erklärt, die Möglichkeit einer Bodenoffensive liege auf dem Tisch. Die nun begonnene Offensive werde beendet, «sobald die geplanten Ziele erreicht sind», hieß es in der Erklärung der Streitkräfte. Mit dem Einsatz solle verhindert werden, dass der Nordirak zu einem Rückzugsgebiet für Terroristen werde.

USA hat Türkei vor Militäroperationen gewarnt

Die Türkei fliegt seit Mitte Dezember Luftangriffe gegen mutmaßliche Stellungen der PKK. Die USA und der Irak haben die Türkei aufgefordert, größere Militäroperationen in dem Gebiet zu unterlassen. Sie befürchten, dass die vergleichsweise ruhige Lage in der Region dadurch gefährdet werden könnte.

Die PKK kämpft seit 1984 für eine Autonomie im Südosten der Türkei und wird von der EU und den USA als Terrororganisation betrachtet. Der Konflikt hat bereits Zehntausende Menschen das Leben gekostet.

Berlin:«Nicht unerhebliches Destabilisierungsrisiko»

Außenamtssprecher Martin Jäger sagte am Freitag in Berlin, die Präsenz türkischer Truppen im Nordirak berge ein «nicht unerhebliches Destabilisierungsrisiko». Die deutsche Botschaft in Ankara bemühe sich derzeit um Kontakt zum dortigen nationalen Sicherheitsrat. Jäger rief die türkische Regierung auf, sich in ihrem Kampf gegen Terror auf Schritte zu beschränken, die als Ultima Ratio zum Schutz der eigenen Bevölkerung notwendig seien. Die Einhaltung internationalen Rechts müsse Maßstab jeder Handlung sein.

EU: «Nicht die beste Antwort»

Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana kritisierte den Militäreinsatz. Die Offensive sei «nicht die beste Antwort», sagte Solana auf der Konferenz der EU-Verteidigungsminister in Slowenien. EU-Kommissionssprecherin Krisztina Nagy warnte die Türkei vor unverhältnismäßigen Reaktionen. Die Regierung habe das Recht, ihr Volk vor Terror zu schützen, müsse aber Menschenrechte und Gesetze respektieren, sagte Nagy. (nz/AP)

 
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