Netzeitung Logo
 
Aktuelles  »  Politik  »  Ausland
DruckenVersenden
 

US-Vorwahlkampf: 

McCains gefährlicher Flirt mit einer Lobbyistin

21. Feb 2008 11:59
Eine acht Jahre alte Beinahe-Affäre holt den Republikaner John McCain ein
Bild vergrößern
Geradlinig, prinzipientreu und rechtschaffen, so wirbt McCain um die Gunst der Wähler im Kampf um die US-Präsidentschaftskandidatur. Doch eine brisante Story über einen Flirt mit einer Lobbyistin bringt ihn in Bedrängnis.

Der populäre Senator John McCain gilt als sicherer Kandidat für die US-Präsidentschaftswahlen der Republikaner am 4. November. Sein Vorsprung vor seinem Herausforderer Mike Huckabee ist nicht mehr einzuholen. Doch nun bringt ein Artikel der «New York Times» (NYT) über eine Affäre mit einer Lobbyisten den Senator in Bedrängnis. Der amerikanische Sender MSNBC unterbrach am Mittwochabend sogar seine Polit-Talkshow, um über die Story zu berichten.

Der brisante Bericht der «NYT», der sich vor allem mit moralischen und ethischen Risiken für McCain befasst, gräbt unter anderem eine acht Jahre alte Beziehung aus. McCain habe fast einmal eine Affäre gehabt. Während seines Wahlkampfes im Jahr 2000 habe die damals 30-jährige Vicki Iseman McCain zu Dinners und Benefiz-Veranstaltungen begleitet und ihn häufig in seinem Büro besucht.

Überzeugt davon, dass die beiden eine Affäre haben, hätte sein Stab eingegriffen – um McCain «vor sich selbst zu schützen». Der Vietnamkriegs-Veteran kämpfte damals gegen George W. Bush um die Präsidentschaftskandidatur. Die Lobbyistin sei systematisch abgeblockt worden, berichtete die «NYT». Schließlich habe sich ein Vertrauter McCains mit ihr getroffen und sie gebeten, nicht bei Dritten den Eindruck zu wecken, es gebe da etwas.

Schmutzkampagne

Iseman arbeitete dem Bericht zufolge für das Lobby-Büro «Alcalde & Fay» in Washington. Das Büro habe Telekommunikationsfirmen vertreten, für die der Handelsausschuss, in dem McCain im Senat saß, sehr bedeutend gewesen sei. Ihre Kunden hätten Zehntausende von Dollar für McCains Wahlkampf gespendet, schreibt die Zeitung.

McCains Wahlkampfteam wies den Bericht umgehend als falsch zurück. Der Artikel sei ein «Schmierenjob», eine «Art der Politik, die die Amerikaner bis obenhin satt haben», empörte sich eine Sprecherin. McCain und Iseman dementierten zugleich, jemals eine Affäre gehabt zu haben. McCain wollte sich im Laufe des Tages selber zu den Vorwürfen äußern.

Warum jetzt?

US-Medien spekulieren nun, weshalb die Zeitung den Bericht so lange zurückgehalten halt. Ein Kolumnist des US-Magazins «Newsweek» behauptet, die Geschichte sei ihm schon seit Wochen bekannt. Ähnlich äußerte sich auch der TV-Kommentator Pat Buchanan: Die Geschichte sei schon vor der Auftaktwahl in Iowa Anfang Januar fertig gewesen. Der Chefredakteur habe aber zu erkennen gegeben, es sei unfair, den Text zur ersten Urwahl des Wahljahres 2008 zu bringen. Es handele sich nicht um eine aktuelle Affäre, sondern um eine acht Jahre alte Sache. Ihr Kern, eine außereheliche Beziehung, werde zudem entschieden dementiert.

Obwohl die Geschichte schon so lange zurück liegt, birgt sie enormen Zündstoff. McCain hat in den Vorwahlen mit seiner Prinzipientreue und Geradlinigkeit überzeugt. Die Wähler sehen in ihm einen Mann, der sein Wort hält. Außerdem hat sich McCain immer entschieden gegen Lobbyarbeit ausgesprochen. Er lehnt es vehement ab, sich für Interessengruppen einzusetzen. Jetzt werden Zweifel an seinen Prinzipien laut.

Die «NYT» lässt es sich denn auch nicht nehmen, an den so genannten Keating Five Skandal zu erinnern. Als einer von fünf Senatoren wurde McCain Ende der 80er Jahre beschuldigt, zugunsten eines Kreditoperators Einfluss auf wirtschaftliche Aufsichtsbehörden genommen zu haben. Nach einer umfassenden Untersuchung durch den Ethikausschuss des Senats hatte der Republikaner Glück und erhielt lediglich einen milden Tadel.

Die jüngste Story macht es für McCain zudem nicht einfacher, den rechten Flügel der Republikaner hinter sich zu bringen. Die erzkonservativen Republikaner sind stark am Privatleben eines möglichen Nachfolgers von US-Präsident George W. Bush interessiert. Ihr Sprachrohr, der Talkmaster Rush Limbaugh mit täglich 13 Millionen Hörern, hält McCain ohenhin für einen «Heuchler».

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Anschlagsserie mit Dutzenden Toten: 
13-Jährige sprengt sich im Irak in die Luft
Nach dem Tod von acht Zivilisten: 
Syrien kritisiert «Aggression» der US-Armee
 
«Außergewöhnliche Umstände»: 
Merkel und Sarkozy wollen Stabilitätspakt lösen
Alternative Energien, alternative Lieferanten: 
Brüssel macht sich auch für Atomkraft stark
 
Koalition einigt sich bei Online-Durchsuchung: 
BKA-Trojaner erhält Verfallsdatum
Trauerfeier zu Afghanistan-Soldaten: 
Jung würdigt Verdienste «gefallener Soldaten»
 
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.