Fidel Castro tritt ab:
Der Übervater der Kubaner
19. Feb 2008 16:18
 |  Revolutions-Kollegen: Fidel Castro und Che Guevara im Jahr 1960 | Foto: dpa |
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Er war Revolutionär, Übervater, Alleinherrscher und ist seit Jahrzehnten Symbolfigur der Linken in aller Welt. Ein halbes Jahrhundert hat Fidel Castro in Kuba geherrscht - mit einer fragwürdigen Bilanz.
Castro wollte die Ungerechtigkeiten in seiner Heimat beseitigen, als er Anfang der 50er Jahre Revolutionär wurde. Er versprach, Wohlstand für alle zu schaffen. Ein halbes Jahrhundert hat der «Máximo Líder» Kuba beherrscht - doch er hinterlässt eine fragwürdige Bilanz: Die Ungerechtigkeiten hat er bekämpft, den Wohlstand aber beseitigt. Fast alle Kubaner sind gleich arm geworden. Der Durchschnittsverdienst auf der Karibikinsel liegt bei 20 bis 30 Dollar im Monat.
Dennoch ist Fidel Castro in den Jahren seiner Herrschaft zu einem Übervater der Kubaner geworden. Für seine Verehrer ist er eine Persönlichkeit, die ein Volk nur einmal in Jahrhunderten hervorbringt. Unvorstellbar für viele, dass er eines Tages nicht mehr da sein würde. «Alles, was wir wollen, ist, dass Fidel Präsident und Kuba sozialistisch bleibt», sagte vor wenigen Tagen ein junger Mann auf der Straße in Havanna. Für seine Gegner war er ein Diktator, der sein Volk an den Bettelstab brachte. 18 Monate hat Castro nach einer Darmoperation der Krankheit und dem Alter Widerstand geleistet. Er gab im Sommer 2006 alle Ämter ab. Mit eiserner Disziplin kämpfte der inzwischen 81-Jährige gegen den drohenden Tod und setzte die Arbeit an seinem Vermächtnis fort: Mit dutzenden Artikeln über ihm wichtig erscheinende Fragen der Gegenwart zeichnete er seinen Landsleuten einen Weg, den er sein Leben lang gegangen war: Den Weg der kommunistischen Revolution und des Kampfes gegen den Imperialismus, in erster Linie vertreten durch den großen Nachbarn USA. Schon im November 2006 ließ er bei einer Konferenz in Havanna versammelten Freunden mitteilen: «Ich verabschiede mich mit großem Schmerz.»
Mehrheit der Kubaner hat nie anderen Staatschef erlebt
Die Mehrheit der Menschen auf der Karibikinsel unweit der Südspitze des US-Bundesstaates Florida hat keinen anderen Politiker erlebt. «Castro hat es immer verstanden, Änderungen zu verhindern, weil er in der Lage war, glauben zu machen, dass Alternativen mit größeren Opfern verbunden sein würden», analysierte ein Experte. Er hielt die Insel stets in einem revolutionären Ausnahmezustand: Vom Sturz seines Vorgängers Fulgencio Batista, dem Widerstand gegen die Hegemonie der USA - einschließlich US-Handelsembargo - über den revolutionären Kampf an der Zuckerrohrfront bis zur Bekämpfung des Energiemangels. Die Beschaffung von Energiesparbirnen seit 2005 und die Verwendung von kleinen dezentralen Kraftwerken nannte er «Energierevolution». Die wirtschaftliche Rückständigkeit seines Landes ist der Preis für die Unabhängigkeit vom «Imperium» USA. Die Abhängigkeit von der kommunistischen Großmacht Sowjetunion bis zu deren Zusammenbruch hatte Castro dabei in Kauf genommen. Im Weltreich des Kremls war Kuba ein herausragender Frontposten des Kalten Krieges zur Beobachtung und Bedrohung des Feindeslandes. Der Zusammenbruch der Sowjetunion traf Castro und Kuba schwer. Die Insel stand in den 90er Jahren am Rande des Abgrundes. Das hat er vor kurzem selbst noch einmal in einer seiner «Reflexionen» beschrieben.
Beziehung zur EU war stets belastet
Doch Fidel Castro hat auch diese Krise überstanden, ebenso wie die Invasion von Exilkubanern in der Schweinebucht 1961 und die vielen Attentatsversuche im Laufe der Jahrzehnte an der Macht. Notgedrungen ließ er in den 1990er Jahren eine Annäherung an die Europäische Union zu. Doch die Liaison mit den Europäern war stets belastet, weil diese auf eine Demokratisierung Kubas drängten. Außerdem erschwerten verschärfte Embargogesetze der USA den Handel von Drittstaaten mit Kuba. Kritiker ließ Castro stets als Handlanger der USA einsperren. An die Stelle der Sowjetunion als engster Verbündeter trat später Venezuela, dessen Politik sich unter Präsident Hugo Chávez gegen Washington richtete. Gemeinsam mit diesem bedeutenden Ölproduzenten begann Castro, an einer lateinamerikanischen Front gegen die USA zu zimmern. Venezuela zahlt mit Öl-Dollars, Kuba steuert Ärzte, Lehrer und die Erfahrungen des ewigen Revolutionärs bei.
Fidel Castro wurde am 13. August 1926 als Sohn eines spanischen Einwanderers in den ostkubanischen Städtchen Birán unweit von Santiago geboren. Nach dem Besuch einer Jesuitenschule studierte er an der Universität Havanna Jura, wurde dann aber Revolutionär. Der erste Versuch, 1953 einen Volksaufstand auszulösen, scheiterte. Er kam kurz in Haft und ging nach Mexiko ins Exil. 1959 kehrte er nach Kuba zurück und stürzte den verhassten Diktator Batista. Demokratischen Wahlen hat sich Castro nie gestellt. (Franz Smets, dpa)