Fidel Castro tritt ab:
Kubaner sagen ihre Meinung immer offener
19.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Unter Raúl Castro haben die Menschen angefangen, sich öffentlich zu beschweren und die Regierungspolitik zu allen möglichen Fragen von begrenztem Internetzugang bis hin zu Reisebeschränkungen zu kritisieren. Zuletzt riefen mit Kulturminister Abel Prieto und dem international bekannten Sänger Silvio Rodriguez auch Führungsfiguren von Staat und Gesellschaft zu Veränderungen auf.
Prieto sprach sich für die Einführung der Homo-Ehe aus, Rodriguez für Reisefreiheit im Inland und ins Ausland. Offene Angriffe auf die Autorität der Regierung blieben gleichwohl immer noch selten in dem karibischen Inselstaat, in dem die kommunistische Partei alle Machtebenen dominiert. Aber Raúl Castro hat die Kubaner gedrängt, die wirtschaftliche Zukunft ihres Landes mit zu gestalten. Zunächst zögerlich, dann zunehmend kühner reagierten die Kubaner darauf.
Außerdem beklagten sie sich darüber, dass kubanische Bürger nur mit einer Sondererlaubnis staatseigene Hotels betreten dürfen, dass der Zugang zum Internet eingeschränkt ist und dass es für die meisten Kubaner praktisch unmöglich ist, Reisevisa zu erhalten. Alarcon wich Fragen zum Thema Internet aus und bezeichnete das Reisen als Privileg und nicht als Recht.
Kulturminister Prieto, der auch Mitglied des mächtigen Politbüros der Kommunistischen Partei ist, sagte kürzlich: «Ich denke, dass die Ehe zwischen Homosexuellen völlig in Ordnung wäre und dass die Einführung der Homo-Ehe in Kuba kein Erdbeben oder irgendetwas dergleichen auslösen würde.» Auch Mitglieder der Legislative erwägten einen Vorstoß zur Zulassung der Homo-Ehe.
Der Sänger ist Mitglied des Parlamentes und hat die kubanische Regierung lange gegen Vorwürfe wegen angeblicher Menschenrechtsverletzungen verteidigt. Dennoch sprach er sich erst vergangene Woche dafür aus, dass die Behörden die Beschränkungen lockern sollten, die viele Kubaner daran hindern, staatseigene Hotels zu betreten, ins Ausland und selbst im eigenen Land zu reisen. «Das Kommen und Gehen sollte vollständig frei sein», sagte der Musiker.
Seit Jahrzehnten ist in Kuba das freie Reisen eingeschränkt, um die Menschen davon abzuhalten, die großen Städte bei der Suche nach Arbeit zu überfluten. Reisen ins Ausland sind ebenfalls stark reglementiert. Seit Beginn des Massentourismus aus dem Ausland in den frühen 1990er Jahren sind den meisten Kubanern zudem die Hotels verschlossen, selbst wenn sie dafür zahlen könnten. Ob sich daran etwas ändert, wird auch davon abhängen, wie die am 20. Januar neugewählte Nationalversammlung am Sonntag den Staatsrat neu bestimmt, darunter auch den Posten des Präsidenten. (AP)

