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Mohammed-Karikaturen: 

Dänischer Zeichner trotzt den «Fanatikern»

15. Feb 2008 13:14
Kurt Westergaard
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«Ich bin zu starrköpfig, um mich zu beugen», sagt Kurt Westergaard, einer der Schöpfer der umstrittenen Zeichnungen. Er glaubt, dass die westliche Kultur den Kampf um die Meinungsfreiheit gewinnen werde.

Zorn sei ein befreiendes Gefühl, sagt Kurt Westergaard über seine Reaktion auf einen Mordplan von Islamisten, weil er den Propheten Mohammed als finsteren Gesellen mit gezündeter Bombe im Turban gezeichnet hat. Nach drei Monaten mit wechselnden Verstecken unter Aufsicht des Geheimdienstes PET lässt der 73-jährige Däne diesem Zorn jetzt in Interviews freien Lauf.

«Ich bin zu alt und starrköpfig, um mich noch zu beugen», sagte Westergaard am Donnerstagabend in Kopenhagen dem TV-Sender DR und begründete seine Wut: «Fanatiker haben mich bedroht und zum Tode verurteilt, nur weil ich meine Arbeit getan und dänische Grundwerte verteidigt habe.» Dass der Verdacht der Geheimdienstler gegen drei in seiner Heimatstadt Århus lebende Zuwanderer aus Marokko und Tunesien stichhaltig war, steht für ihn außer Frage: «Der PET hat mir das Leben gerettet und ist jetzt eine ganz wichtige Autorität in meinem Leben.»

Munition vom Islam

Auf Fragen nach dem Hintergrund für seine und elf weitere Mohammed-Karikaturen in der Zeitung «Jyllands-Posten» vor zweieinhalb Jahren antwortet Westergaard in einem für die scharfe dänische Ausländerdebatte nicht untypischen Grundton: «Es muss wohl richtig sein, dass man eine der fürchterlichsten Bedrohungen auf der Welt kommentiert.» Terroristen würden «nun einmal ihre Munition vom Islam bekommen».

Dass sein Kommentar mit der Bombe und auch noch einem islamischen Glaubensbekenntnis auf dem Mohammed-Turban Muslime in aller Welt auf die Straße gebracht hat, könne er nicht als eigene Verantwortung akzeptieren: «Der Zusammenstoß zwischen beiden Kulturen wäre auf jeden Fall gekommen. Unsere materiell überlegene westliche Kultur wird ihn gewinnen.»

«Ein Auftrag wie jeder andere»

Solche Überlegungen hat Westergaard aber erst nachträglich angestellt. Als die betont islamkritische Zeitung «Jyllands-Posten» 2005 bei ihm wie bei anderen Zeichnern anfragte, ob er nicht den im Islam mit einem Abbildungsverbot versehenen Mohammed nach eigenen Vorstellungen porträtieren wolle, war das für ihn «einfach ein Auftrag wie jeder andere»: «Ich hab es dann so angelegt, dass es in Dänemark funktionieren sollte.»

Funktioniert hat in Dänemark schon seit den 90er Jahren ein rauer Grundton gegen die «Fremden», wie Zuwanderer umgangssprachlich genannt werden. Erst im November wählte die Bevölkerung zum dritten Mal eine Regierung mit betont harter Ausländerpolitik als «Markenzeichen». Westergaard sieht seine Mohammed-Zeichnung als «Beitrag zur Verteidigung der Meinungsfreiheit».

Bis ans Lebensende

Der persönliche Preis dafür ist hoch. Im Fernsehen musste sich der Karikaturist fragen lassen, ob er sich mitverantwortlich fühle für den Tod von 150 Menschen bei den Protesten gegen seine und die anderen Karikaturen. Das tue er nicht, und er bereue auch nichts, antwortete er. Auf sein Leben mit Umzügen zwischen wechselnden Geheimwohnungen im In- und Ausland habe sich eine «trübgraue Depression» als Grundstimmung gelegt. Zwar fühle er sich nach der Festnahme der drei Verdächtigten nun «ziemlich sicher». Er wisse aber, dass seine Auftritte «einerseits vielleicht präventiv wirken, vielleicht aber auch zu neuen Bedrohungen inspirieren»: «Diese Sache wird mich bis an mein Lebensende verfolgen, das ist klar.» (Von Thomas Borchert, dpa)

 
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