12.02.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Jean Sarkozy wird (noch) nicht Bürgermeister von Neuilly
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die wilden Spekulationen sind beendet: Jean Sarkozy nimmt Abstand von der direkten «Erbfolge» im noblen Pariser Vorort Neuilly. Als Putschist hat der blonde Prinz jedoch seine erste Trophäe errungen.
Jean Sarkozy, der Sohn des französischen Staatspräsidenten, kandidiert nicht für das Bürgermeisteramt im vornehmen Pariser Vorort Neuilly. Die Regierungspartei UMP (Union pour un Mouvement Populaire) beendete am Dienstag die Spekulationen über die politischen Ambitionen des blonden 21-Jährigen, der wie sein älterer Bruder Pierre aus Sarkozys erster Ehe mit der Korsin Marie-Dominique Culioli stammt. Anlass für die Gerüchte war der Rückzug des bisherigen UMP-Kandidaten Martinon für die Kommunalwahl am 9. März.
Präsident Nicolas Sarkozy hatte im Herbst seinen 36-jährigen Sprecher David Martinon bei der Parteibasis in Neuilly als Spitzenkandidaten durchgedrückt. Martinon stützte sich in den vergangenen Wochen auf Jean Sarkozy als seinen prominentesten Wahlkampfhelfer. Wegen der schlechten Umfragewerte und angeblicher Meinungsverschiedenheiten war aber Sarkozy Junior dem Sprecher seines Vaters am Sonntag in den Rücken gefallen. Er stellte mit zwei weiteren abgefallenen Unterstützern Martinons eine eigene Liste auf. Ein möglichst prominentes Bürgermeisteramt gilt in Frankreich als wichtiger Schritt in der politischen Karriere.
Nach dem Rückzug von David Martinon am Montag ist das bürgerliche Lager in seiner größten Hochburg gespalten. Die konservative Regierungspartei UMP beschloss am Dienstag, den aus Neuilly stammenden Unternehmer Jean-Christophe Fromantin zu unterstützen. Wenig später erklärte Arnaud Teullé, ebenfalls eine Liste aufzustellen. Teullé war früher Sarkozys rechte Hand, als dieser noch Bürgermeister von Neuilly war. Als Sarkozy seinen Sprecher Martinon ins Rennen schickte, fühlte sich Teullé übergangen.
«Es gibt keine Monarchie»Das Manöver hat die Konservativen in Bedrängnis gebracht und weitere Fragen nach dem Stil des Staatsoberhauptes aufgeworfen. «Es gibt keine Monarchie in Neuilly», stellte UMP-Chef Patrick Devedjian am Dienstag klar. «Jean Sarkozy hat großes Talent und liebt die Politik, aber seine Zeit muss erst noch kommen», sagte er dem Sender Europe 1. Die Partei stellte sich hinter den bisherigen Außenseiter Jean-Christophe Fromantin, der in den jüngsten Umfragen den Favoriten des Präsidenten überflügelt hatte.
Nach seiner Demontage legte Martinon am Montag seine Bewerbung nieder. Sein Angebot, auch als Präsidentensprecher zurückzutreten, lehnte Sarkozy zunächst ab. Der Präsident befand sich am Montag und Dienstag in Französisch-Guyana und enthielt sich jeden Kommentars zu den Vorgängen in Neuilly.
Größere Unzufriedenheit mit dem PräsidentenDie Sympathie-Werte für Nicolas Sarkozy haben einen neuen Tiefstand erreicht: In einer Umfrage des Instituts Ipsos für das Magazin «Le Point» erklärten sich 39 Prozent der Befragten zufrieden mit ihrem Staatschef. Im Januar waren es noch 49 Prozent. 58 Prozent der Befragten sagten, sie seien unzufrieden mit Sarkozy. Dagegen stieg die Zustimmung zu Regierungschef François Fillon um sieben Punkte auf 52 Prozent. (nz/dpa/AP)