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Wiener Koalition stolpert über Kampusch-Affäre

12. Feb 2008 15:18
Mögliche Ermittlungspannen im Fall Kampusch sorgen in Österreich für eine Regierungskrise
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Die österreichische Regierung steuert im Fall Kampusch auf eine handfeste Krise zu. Untersuchungsausschuss, Verzögerung von Ermittlungen, ja sogar von Koalitionsbruch ist die Rede.

Neue Entwicklungen im Fall der 1998 entführten Natascha Kampusch werden zu einer Belastung für das in Wien regierende Rot-Schwarzen-Bündnis. Politiker der konservativen Volkspartei (ÖVP) drohten am Dienstag mit einem Bruch der Koalition, sollte die sozialdemokratische SPÖ im Parlament mit der Opposition für die Einsetzung eines Untersuchungsausschuss stimmen. Inzwischen rufen immer mehr Sozialdemokraten nach einem parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der das Verhalten des von der ÖVP geführten Innenministeriums unter anderem im Fall Kampusch durchleuchten soll.

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  • Kampusch hatte am Montagabend im ORF-Fernsehen die kürzlich bekanntgewordenen Versuche im Innenministerium verurteilt, gravierende Ermittlungspannen in ihrem Fall zu vertuschen. Die 19- Jährige forderte in dem TV-Interview, die Verantwortlichen für die Fahndungsfehler zur Verantwortung zu ziehen. Kampusch war bis zu ihrer Flucht im August 2006 fast acht Jahre lang von ihrem Entführer in einem Kellerverlies außerhalb von Wien festgehalten worden.

    In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass die Polizei bereits kurz nach der Entführung der damals Zehnjährigen über präzise Hinweise verfügt hatte, die zur Festnahme ihres Entführers hätten führen können. Die entsprechenden Aussagen eines Polizisten wurden jedoch mehrfach ignoriert. Kampusch gelang es erst acht Jahre später sich selbst aus der Gewalt ihres Kidnappers zu befreien.

    Forderung nach einer Untersuchung abgeblockt

    Die Landeshauptleute (Ministerpräsidenten) von Salzburg und der Steiermark, Gaby Burgstaller und Franz Voves, sprachen sich am Dienstag für die Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses aus. Der stellvertretende Vorsitzender der ÖVP im Nationalrat, Günter Stummvoll, meinte dazu: «Formal ist das ein Koalitionsbruch.»

    In der vergangenen Woche hatte der frühere Chef des österreichischen Bundeskriminalamtes Herwig Haidinger vor dem Innenausschuss des Nationalrats ausgesagt, im Sommer 2006 habe das Innenministerium seine Forderung nach einer Untersuchung von Ermittlungspannen im Fall Kampusch wegen der Parlamentswahl im Herbst 2006 abgeblockt. Zudem hatte er erklärt, auf Weisung des Innenministeriums habe die Staatsanwaltschaft damals Ermittlungsakten rund um die Beinahe-Pleite der von SPÖ-Mitgliedern geführten Gewerkschaftsbank BAWAG zunächst der ÖVP zuzuleiten.

    Es geht nicht um Geld, sondern um Gerechtigkeit

    Eine inzwischen von deren Nachfolger Günther Platter eingesetzte Untersuchungskommission hat bereits am Sonntag ihre Arbeit aufgenommen. Sie ist jedoch höchst umstritten, weil ihr überwiegend führende Beamte des Innenministeriums angehören, die zum Teil selbst in die angeblichen «Vertuschungen» involviert sind.

    Kampusch sagte am Montagabend, der Versuch der Behörden, die Fahndungspannen zu vertuschen, sei «schon sehr arg». Ob sie eine staatliche Entschädigung einklagen werde, sei noch nicht entschieden. «Es geht ja nicht um Geld, sondern es geht um Gerechtigkeit.»

    Die junge Frau, die inzwischen ihren Hauptschulabschluss nachgemacht hat, wies Fragen zurück, ob sie als Kind von ihrer Mutter und später während der Gefangenschaft auch von ihrem Entführer Wolfgang Priklopil sexuell missbraucht worden sei. «Das ist meine Privatangelegenheit», antwortete sie ruhig, «ich fühle mich nicht dazu verpflichtet, darauf zu antworten.» Gleichwohl bestritt sie, jemals als Kind von ihrer Mutter missbraucht worden zu sein. (dpa)

     
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