netzeitung.deUN befürchtet Versorgungsnot im Tschad

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Zwei Flüchtlingskinder aus dem Tschad in der kamerunischen Grenzstadt Kousseri (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Zwei Flüchtlingskinder aus dem Tschad in der kamerunischen Grenzstadt Kousseri
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Die Lage im Tschad wird immer prekärer. Tausende notleidende Menschen könnten bald von Hilfslieferungen abgeschnitten sein. Auch im benachbarten Darfur verschlechtert sich nach Angaben der UN die Lage.

Das UN-Welternährungsprogramm (WFP) befürchtet angesichts der unsicheren Lage im Tschad eine zunehmende Versorgungsnot. «Die Instabilität im Tschad könnte dazu führen, dass wir 400 000 Flüchtlinge im Ost-Tschad nicht mehr erreichen, die dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen sind», sagte der Leiter des Berliner WFP-Büros, Ralf Südhoff, nach einem Besuch im angrenzenden Sudan. Die Gefahr werde noch größer, wenn sich die Kämpfe in den Osten Tschads ausdehnten.

Nach dem Ende der Kämpfe zwischen Armee und Rebellen war für die tschadische Hauptstadt N'Djamena eine Waffenruhe vereinbart worden. Die Rebellen nutzen den Osten Tschads und den benachbarten Sudan nach Einschätzung von Beobachtern als Rückzugsgebiet.

Die UN-Organisation warnte auch vor einer Zuspitzung der Lage im angrenzenden Darfur im Sudan. «Dort hat sich die Lage bereits drastisch verschlechtert, so dass man von einem Notstand sprechen kann», sagte Südhoff. Wenn mehr Militär in den Ost-Tschad und den Westen Darfurs komme, drohe die Versorgung immer schwieriger zu werden. «In Darfur sind mehr als zwei Millionen Flüchtlinge dringend auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.»

Der Anteil unterernährter Menschen von fast 22 Prozent 2004 - ein Jahr nach dem Ausbruch des Darfur-Konflikts - sei zwischenzeitlich mit rund zwölf Prozent fast halbiert worden, sagte Südhoff. Dieser Erfolg sei in Gefahr. Im vergangenen Jahr seien etwa 16 Prozent der Bewohner unterernährt gewesen. Weil der Transport immer schwieriger werde, hätten allein in der Grenzregion zum Tschad zuletzt mehr als 130.000 Menschen nicht mehr erreicht werden können. Bei 15 Prozent, die unterernährt sind, wird von humanitärem Notstand gesprochen.

Lastwagenfahrer der UN entführt
Die Lage für Mitarbeiter und Partner des Welternährungsprogramms wird nach Angaben von Südhoff zunehmend bedrohlicher. In Darfur seien 24 Lastwagen entführt worden, sagte er. Das Schicksal von 14 Fahrern sei ungewiss. Darunter seien allerdings keine Deutschen, weil die meisten Helfer aus der Region stammten.

Im Tschad sind nach seinen Angaben von 262 Mitarbeitern noch etwa 225 geblieben, nachdem 25 internationale Kräfte ausgeflogen wurden. Der Tschad zählt zu den ärmsten Ländern der Erde. Das UN-Welternährungsprogramm ist nach eigenen Angaben die größte humanitäre Organisation der Welt. (dpa)