netzeitung.deDarfur-Milizen mischen sich in Tschad-Krise ein

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Straßenbild in der Hauptstadt des Tschad (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Straßenbild in der Hauptstadt des Tschad
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Krisen im Tschad und in der benachbarten Region Darfur verschmelzen immer deutlicher zu einem Konflikt. Milizen aus dem Sudan sollen sich bereits im Osten des Tschad aufhalten.

Rebellen aus Darfur bestätigten am Dienstag Berichte, wonach ihre Kämpfer im Osten des Tschad unterwegs seien, wie der britische Rundfunksender BBC meldete. Zuvor hatte auch ein Sprecher der tschadischen Rebellenallianz angeprangert, dass Aufständische aus Darfur im Land seien. Die tschadischen Rebellen hatten am Wochenende erfolglos versucht, die tschadische Hauptstadt N'Djamena einzunehmen.

Die Präsenz von Darfur-Rebellen im Tschad verstärkte die Angst vor einem möglichen Krieg zwischen dem Tschad und dem Sudan. Die tschadische Regierung macht das Nachbarland für die Unterstützung der Rebellen im Osten des Tschad verantwortlich. Zwar betonte die Darfur-Rebellenorganisation JEM, man habe lediglich sudanesische Soldaten auf tschadischem Territorium verfolgt. Doch es mehrten sich Stimmen, nach denen die JEM-Kämpfer Tschads Präsidenten Idriss Déby bei der Verteidigung N'Djamenas unterstützten.

Tschad-Rebellen bieten Waffenstillstand an
Der Sprecher der tschadischen Rebellenallianz, Abderahman Koulamallah, bot unterdessen im französischen Auslandsrundfunk RFI einen Waffenstillstand an. Die Aussichten dafür waren jedoch unklar, nachdem Tschads Armee am Dienstag die Hauptstadt kontrollierte. Zudem billigte der UN-Sicherheitsrat ein Eingreifen französischer Truppen, sollte Débys Regierung dies wünschen. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich hat etwa 2.000 Soldaten im Tschad stationiert. Ein französischer Militärsprecher erklärte auf RFI, es sei jedoch kein unmittelbarer Einsatz französischer Soldaten geplant.

20.000 Flüchtlinge in Kamerun
Die Zahl der Flüchtlinge, die von N'Djamena über die nahe Grenze nach Kamerun gelangten, stieg inzwischen auf etwa 20.000. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) warnte, es werde einige Tage dauern, bevor die Flüchtlinge versorgt werden könnten. Derzeit werde 32 Kilometer von der Grenzstadt Kousseri entfernt ein Lager errichtet. Noch fehlten Transportmöglichkeiten, und Hilfsgüter müssten eingeflogen werden. Mehr als 6.000 Flüchtlinge müssten in einem Transitlager nahe des Grenzübergangs unter freiem Himmel ausharren.

Zwei Millionen Nothilfe von der EU
Die EU-Kommission warnte vor einer humanitären Katastrophe und stellte zwei Millionen Euro für Nothilfe bereit. EU-Entwicklungskommissar Louis Michel sagte, er wolle sicherstellen, dass die Hilfsorganisationen die Mittel hätten, den Menschen in Not so schnell wie möglich zu helfen.(epd)