Netzeitung Logo
 
Aktuelles  »  Politik  »  Ausland
DruckenVersenden
 

John McCain: Ein unbequemer Außenseiter

05. Feb 2008 12:00
Der Republikaner John McCain kämpft um die US-Präsidentschaftskandidatur
Bild vergrößern
Sein Comeback hat viele überrascht. Doch der Republikaner John McCain überzeugt durch seine Geradlinigkeit und Aufrichtigkeit - auch seine Gegner zollen ihm dafür Respekt. Michaela Duhr stellt ihn vor.

Der populäre Senator John McCain schickt sich an, das Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur für sich zu entscheiden. Doch wenn es um das Weiße Haus geht, muss sich der 71-Jährige immer wieder der Frage nach seinem Alter stellen. Zu Beginn seiner Kampagne witzelte McCain noch: «Ich bin älter als Dreck und habe mehr Narben als Frankenstein.» Inzwischen scherzt er nicht mehr: «Ich kann im Wahlkampf jeden übertreffen, weil ich begeistert bin und weil es mir Kraft gibt.»

Mehr in der Netzeitung:
  • US-Vorwahlen: Ergebnisse, Personen, Themen 01. Feb 2008 17:49, ergänzt 05. Jun 2008 09:56
  • Zweifler verweist der 1936 in Panama geborenen McCain auch gerne an seine 95-jährige Mutter: «Letzte Weihnachten wollte meine Mutter durch Frankreich fahren. Sie flog nach Paris und versuchte, ein Auto zu mieten. Mit dem Hinweis, sie sei zu alt, verweigerte man ihr das. Also kaufte sie sich selbst ein Auto und fuhr damit durchs Land.»

    Zweifel bleiben dennoch: Nicht nur weil McCain seit 1993 mehrfach wegen Hautkrebs behandelt wurde, sondern auch weil er bei Amtsantritt der älteste Präsident der Vereinigten Staaten wäre. Ronald Reagan war 69 Jahre alt, als er 1981 ins Weiße Haus zog. Im Jahr 2000 bemühte sich McCain schon einmal um eine Präsidentschaftskandidatur, unterlag seinerzeit jedoch dem heute amtierenden US-Präsidenten George W. Bush.

    Jahrelange Folter in Nordvietnam

    Der Sohn eines Vier-Sterne-Admirals schlug zunächst – wie Vater und Großvater - eine militärische Laufbahn ein. Nach seinem Abschluss an der Marineakademie von Annapolis zog McCain 1967 als Jagdflieger in den Vietnam-Krieg. Über Hanoi wurde er einige Monate später abgeschossen und geriet in nordvietnamesische Kriegsgefangenschaft. Dort wurde er jahrelang schwer gefoltert, wovon er bleibende körperliche Schäden davontrug. Erst im Jahr 1973 kam er frei und kehrte in die USA zurück. Acht Jahre später nahm er seinen Abschied von den Streitkräften.

    Der Vater von vier Kindern, zwei Stiefsöhnen und einem Adoptivkind ist seit 1987 Senator für den US-Bundesstaat Arizona. Allerdings ist McCain vielen seiner Parteigenossen nicht konservativ genug. Kritik aus den eigenen Reihen brachten ihm Verstöße gegen die Parteidisziplin ein. So stimmte McCain mehrfach gegen die Steuersenkungsprogramme von US-Präsident Bush. Er fordert zwar auch niedrigere Steuern, aber nur, wenn gleichzeitig die Ausgaben gekürzt werden. In seinem Wahlprogramm spricht er sich für eine liberale Einwanderungspolitik aus und räumt dem Umweltschutz eine weit höhere Priorität ein, als so manchem Republikaner lieb ist.

    Befürworter des Irak-Krieges

    Der Kriegsveteran kämpfte zudem massiv gegen die von US-Präsident Bush angestrebte Aufweichung des Folterverbots bei Terror-Verdächtigen. Amerika dürfe im Kampf gegen den Terror seine Werte nicht aufgeben, warnte McCain im November 2005. Dazu gehöre die Einhaltung der Menschenrechte, «ganz gleich, wie schrecklich unsere Gegner auch sein mögen». McCain vertritt aber auch durchaus sehr konservative Positionen: Er ist strikter Abtreibungsgegner, will das liberale Waffengesetz nicht antasten, lehnt gleichgeschlechtliche Ehen ab und steht für ein eher traditionell-konservatives Familienbild.

    Mehr im Internet:
    McCain ist vehementer Befürworter des Irak-Krieges, allerdings kritisiert er die Art und Weise, wie die Bush-Regierung den Krieg «managt». Er lehnt einen Rückzug ab und forderte stattdessen, mehr Soldaten in das Land zu schicken – auch wenn das bei den meisten Amerikanern nicht ankommt. Doch vor unpopulären Forderungen scheut McCain nicht zurück, wofür ihm seine Gegner Respekt zollen. Sie schätzen ihn für seinen Mut, seine Geradlinigkeit und Prinzipientreue.
     
    Drucken
    VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
     
    Zu weiteren Bildergalerien
    Zu weiteren Bildergalerien
    Zum Wissenstest

    Alle Wissenstests

    Zum Wissenstest

    Alle Wissenstests

    Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
     
    Iraker Mädchen unter Verdacht: 
    Teenagerin bringt Sprengstoffgürtel zur Polizei
    Einigung mit Wenn und Aber: 
    US-Truppenabzug aus Irak bis 2011 vereinbart
     
    Reaktion auf die Finanzkrise: 
    EU will Rettungs-Regeln für Pleite-Banken
    Vorbild US-Milliardenpaket: 
    Niederlande schlagen Europa-Rettungsfonds vor
     
    Bundeswehreinsatz im Inland: 
    Widerstand gegen Bundes-Marschbefehl
     
    Live Top 5
    netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
    Aus anderen Ressorts
    Zur Autogazette

    Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
    NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
    Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
     
    Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
     
    IT & Security by Procado
     
    [ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
    Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.