03. Feb 2008 12:57
Die konservative türkische Regierung möchte an den Hochschulen das Kopftuchverbot abschaffen. Darin sehen viele Bürger eine schleichende Islamisierung des Landes - und hunderttausende protestierten.
Die islamisch-konservative türkische Regierungspartei AKP von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am vergangenen Dienstag eine Vorlage zur Abschaffung des Kopftuchverbots im Parlament eingebracht. Über die dafür erforderlichen Verfassungsänderungen soll im Laufe der Woche abgestimmt werden. Eine parlamentarische Mehrheit gilt als sicher, weil die AKP in dieser Frage von der nationalistischen Oppositionspartei MHP unterstützt wird. Beide Parteien verfügen im Parlament von Ankara über 410 von 550 Mandaten. Frauengruppen haben zur geplanten Abstimmung über die Verfassungsänderungen am kommenden Freitag zu einer weiteren Großdemonstration aufgerufen. Die Aufhebung des Kopftuchverbotes gehört zu den politischen Versprechen der seit mehr als fünf Jahren regierenden AKP. Führende Politiker der Partei argumentieren, dass das Tragen des «Türban», des streng islamisch gebundenen Kopftuchs, zu den Grundrechten gehöre. Die oppositionelle Republikanische Volkspartei CHP will das Verfassungsgericht anrufen, wenn die Verfassungsänderungen vom Parlament verabschiedet werden sollten. Sie beschuldigt die Regierungspartei, eine schleichende Islamisierung des Landes zu betreiben. Kritiker warnen, bei einem Ende des Verbotes werde der Druck auf alle Frauen steigen, das Kopftuch anzulegen. (dpa)