netzeitung.deKämpfe im Tschad behindern EU-Einsatz

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Die EU-Truppe soll Flüchtlinge aus dem Sudan schützen (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die EU-Truppe soll Flüchtlinge aus dem Sudan schützen
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Rebellen im Tschad haben eine Offensive gegen die Hauptstadt des Landes gestartet. Die Kämpfe gefährden den EU-Einsatz im Grenzgebiet zur sudanesischen Krisenregion Darfur.

Zwischen Armee und Rebellen sind in der Nähe der tschadischen Hauptstadt N'Djamena am Freitag heftige Kämpfe entbrannt. «Wir sind bereit, über eine Regierungsbeteiligung zu verhandeln. Präsident Idriss Deby muss sich zwischen Krieg und Frieden entscheiden», sagte Rebellenführer Timan Erdimi. Die Rebellen hatten sich in den vergangenen Tagen mit etwa 300 Fahrzeugen auf N'Djamena zubewegt.

Die US-Botschaft in N'Djamena rief ihre Bürger zur Vorsicht auf, die Lage im Osten des Tschads sei instabil. Panzer hätten vor dem Präsidentschaftspalast Stellung bezogen. Frankreich entsandte etwa 150 zusätzliche Soldaten in den Tschad, um die dort stationierten französischen Truppen zu verstärken. Nach Ansicht von Verteidigungsminister Hervé Morin ist der Vormarsch der Rebellen eine Reaktion auf den geplanten EU-Einsatz.

Der erneute Gewaltausbruch behindert die Stationierung der EU-Friedenstruppe Eufor im Grenzgebiet zur Krisenregion Darfur. «Der Einsatz kann sich weiter verzögern» sagte der französische General Jean-Philippe Ganascia. Die Eufor-Truppe soll mit etwa 3700 Mann für den Schutz der Flüchtlinge sorgen. Am Donnerstagabend wurde der Transport von 54 Spezialkräften aus Irland abgesagt, teilte ein Eufor-Sprecher in Paris mit. Ein zweites Flugzeug aus Österreich mit Material für die Truppe brach seinen Flug in Tripolis ab und sollte wegen der unsicheren Lage in N'Djamena umkehren.

EU-Kommission zeigt sich «besorgt»
An Eufor beteiligen sich 14 Staaten. Deutschland entsendet mehrere Soldaten in das Hauptquartier bei Paris, aber nicht in den Tschad. Die EU-Kommission zeigte sich «besorgt» über die Kämpfe im Tschad. «Ich verurteile entschieden jeden Versuch, die Macht mit Waffengewalt zu übernehmen», heißt es in einer Erklärung von EU-Entwicklungskommissar Louis Michel vom Freitag in Brüssel. Die Bevölkerung des Tschad wolle Sicherheit, Frieden und Aussöhnung. Die einzigen Wege zur Macht seien der Dialog und der politische Kompromiss.

Michel appellierte an Länder mit entsprechendem Einfluss, die Rebellen zur Zurückhaltung aufzufordern. Im August 2007 hatten Regierung und Opposition des Tschad vereinbart, nach einer politischen Einigung zu suchen, um freie Wahlen zu ermöglichen. Michel fordert dazu auf, dies nach wie vor zu versuchen.

Frankreich unterstützt tschadische Armee
Unabhängig von Eufor hat Frankreich in der ehemaligen Kolonie im Rahmen eines bilateralen Abkommens etwa 2000 Soldaten stationiert, die die tschadische Armee unterstützen. Ein Teil von ihnen soll allerdings künftig zur EU-Truppe zählen. Vor knapp einem Jahr hatte die französische Armee bei einem Vormarsch der Rebellen auf N'Djamena Kampfflugzeuge gegen die Rebellen eingesetzt.

Unterdessen hat das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR die meisten seiner Mitarbeiter aus dem Ort Guereda im Osten des Landes in Sicherheit gebracht. In den vergangenen Tagen habe es zahlreiche Angriffe gegen das UNHCR-Gelände gegeben, teilte die Organisation mit. Im Osten des Tschads leben etwa 240.000 Bürgerkriegsflüchtlinge aus Darfur und 180.000 tschadische Flüchtlinge, die wegen der anhaltenden Gewalt aus ihren Dörfern geflohen sind. (dpa)