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Berlusconi steht schon in den Startlöchern

23. Jan 2008 14:14
Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi wittert seine Chance
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In Italien stimmt das Parlament über die Vertrauensfrage von Regierungschef Prodi ab. Oppositionsführer Berlusconi frohlockt, doch dessen früherer Reformminister warnt, Prodi habe «mehr Leben als eine Katze».

Regierungskrisen sind in Italien nichts Ungewöhnliches: Eine Regierung hält im Durchschnitt nicht viel länger als ein Jahr. Die Tatsache aber, dass der Chef einer kleinen Partei mit gut 1,4 Prozent der Wählerstimmen die Regierung stürzen kann, empört die Italiener dann doch. Die derzeitige Krise zeige, dass Italien noch immer kein normales Land sei, sondern ein «Land der Anomalie», klagt ein Kommentator in der Zeitung «La Repubblica».

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Nach dem Austritt der Udeur-Partei von Ex-Justizminister Clemente Mastella aus der regierenden Mitte-Links-Koalition kämpft Ministerpräsident Romano Prodi um sein politisches Überleben. Es ist das erste Mal seit Prodis Amtsantritt im Mai 2006, dass eine politische Gruppe sein Neun-Parteien-Bündnis verlassen hat. Mastella war bereits in der vergangenen Woche von seinem Posten zurückgetreten, weil seine in Korruptionsaffären verstrickte Ehefrau unter Hausarrest gestellt wurde. Später wurde bekannt, dass auch gegen Mastella ermittelt wird.

Prodi hat indes einen sofortigen Rücktritt – wie unisono von der Opposition gefordert - abgelehnt und stattdessen die Vertrauensfrage im Parlament gestellt. An diesem Mittwoch stimmt zunächst das Abgeordnetenhaus ab. Hier gilt eine Mehrheit auch ohne die abtrünnige Partei von Mastella als sicher. Klarheit wird allerdings erst das Votum des Senats am Donnerstag schaffen. Der «Professore» – wie der Wirtschaftsprofessor Prodi in Italien genannt wird – verfügte im Senat bisher nur über eine hauchdünne Mehrheit. Ohne die drei Senatoren der konservativen Udeur-Partei wird es knapp für den Regierungschef.

Wichtiger Faktor: Senatoren auf Lebenszeit

Ministerpräsident Romano Prodi will es wissen
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Alles hängt nun von sieben auf Lebenszeit ernannten Senatoren ab. Das sind Bürger, beispielsweise frühere Staatspräsidenten, denen die italienische Verfassung ein solches Privileg aufgrund besonderer Verdienste einräumt. Bisher konnte Prodi bei Vertrauensabstimmungen wegen Streitigkeiten in der Koalition auf deren Stimmen zählen.

Eine Niederlage im Senat würde Prodi zum Rücktritt zwingen. Staatspräsident Giorgio Napolitano könnte dann Neuwahlen ausschreiben oder eine Übergangsregierung einsetzen. Deren Hauptaufgabe würde in der Reform des Wahlsystems bestehen, das Kleinparteien begünstigt und dem Land immer wieder instabile Mehrheiten beschert hat. Walter Veltroni, der Chef der Demokratischen Partei (PD), sicherte dem Premier seine Unterstützung zu. Der Vorsitzende der stärksten Regierungspartei setzt auf eine agile, kurzzeitige Übergangsregierung, umso zusammen mit Oppositionsführer Silvio Berlusconi vor Neuwahlen die Wahlrechtsreform zu bewerkstelligen.

Die rechten Parteien lehnen eine Übergangsregierung ab, sie drängen auf einen Urnengang. Aus gutem Grund: In der Wählergunst liegt Berlusconis Mitte-Rechts-Bündnis derzeit vorne, die linken Parteien haben seit Amtsantritt dagegen stetig verloren.

Berlusconi ist der Richtige

Der frühere Ministerpräsident Berlusconi wittert bereits seine Chance. Doch die Oppositionsparteien – allen voran die rechtsnationale Alleanza Nazionale (AN), die populistische Lega Nord und Berlusconis Partei der Freiheit - streiten darüber, ob sie an Berlusconi als Spitzenkandidat festhalten wollen. Gleichwohl sich AN-Chef Gianfranco Fini nach der Regierungskrise sofort bemühte, einen Schlussstrich unter den Führungsstreit im Mitte-Rechts-Lager zu ziehen: Ihm sei klar, dass Berlusconi der Kandidat für das Ministerpräsidentenamt sei, bekräftigte Fini.

Doch Berlusconis früherer Reformminister Roberto Calderoli der Lega Nord warnte bereits davor, Prodi zu unterschätzen: Der Ministerpräsident habe «mehr Leben als eine Katze».

 
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