Briten kapitulieren vor russischer «Kampagne»
17.01.2008
Herausgeber: netzeitung.de
In St. Petersburg war das Institut trotz des russischen Verbots zunächst zu Wochenbeginn geöffnet worden. Die Schließung am Mittwoch wurde mit der Befragung der russischen Council-Mitarbeiter durch den Inlandsgeheimdienst FSB begründet. London beklagte, der FSB habe in beiden Städten die Council-Mitarbeiter spät abends in deren Privatwohnungen aufgesucht. Milibands russischer Kollege Sergej Lawrow hatte schon früher erklärt, dass die Auseinandersetzung auch politische Ursachen habe.
Seit der Ermordung des früheren Geheimdienstmitarbeiters Alexander Litwinenko mit dem Strahlengift Polonium in London im November 2006 ist das Verhältnis beider Länder schwer belastet. London fordert von Moskau die Auslieferung des Mordverdächtigen Andrej Lugowoi. Russland wiederum verlangt die Überstellung des im Londoner Exil lebenden Kremlkritikers Boris Beresowski, gegen den in Moskau mehrere Strafverfahren anhängig sind. Der russische Geheimdienst beschuldigt das britische Institut seit langem, unter dem Deckmantel der Kulturarbeit russische Studenten durch Stipendien für eine Agententätigkeit anzuwerben.
Der British Council hatte 1945 seine Aktivitäten auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion aufgenommen. Doch schon zwei Jahre später war damit im aufkommenden Kalten Krieg Schluss. Erst 1967 erhielt wieder ein Mitarbeiter als Angehöriger der britischen Botschaft eine Akkreditierung, bis 1992 das erste Informationszentrum in Moskau eröffnet wurde. Derzeit unterhält der British Council noch drei Institute in Russland. Die Zentrale in Moskau darf nach russischen Angaben weiter arbeiten. (dpa)

