Mitt Romneys Manko ist sein Glaube
16. Jan 2008 15:23
 |  Mitt Romney | Foto: dpa |
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Der Republikaner Mitt Romney kämpft gegen illegale Einwanderung, beschäftigte aber selbst drei Gärtner ohne Papiere. Doch nicht nur das könnte im Rennen um das Weiße Haus von Nachteil sein, wie
Michaela Duhrs Porträt zeigt.
Wie ein Schatten schwebt der längst selige George Romney über dem Leben seines Sohnes Mitt. In dessen Redeentwürfen fehle niemals eine Anekdote über seinen Vater, sagt ein Wahlkampfberater über den rechts-konservativen Republikaner Mitt Romney. Der 60-jährige Multimillionär und Mormone kämpft um die Gunst der Parteianhänger im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur.
Auch nach dem lang ersehnten Sieg bei den Vorwahlen in seinem Heimatstaat Michigan ließ er es sich nicht nehmen, auf seinen vor zwölf Jahren verstorbenen Vater hinzuweisen – den Ex-Konzernchef von American Motors und ehemaligen Gouverneur von Michigan. Mitt Romney hatte zuvor enttäuschende Niederlagen einstecken müssen. In Iowa unterlag er dem Baptistenprediger Mike Huckabee, und in New Hampshire ging John McCain als Gewinner hervor.Sein politisches Handwerk erlernte der 1947 in der Autostadt Detroit geborene Mitt Romney von seinem Vater. Auch dieser hatte 1968 für das Weiße Haus kandidiert, scheiterte jedoch schon bald, obwohl er sich von seiner frühen Kritik am Vietnamkrieg distanziert hatte. Mitt Romney bemüht sich indes, nicht dieselben Fehler zu machen: Noch bevor er seine eigene Kampagne um die Nachfolge im Weißen Haus startete, übergab er seinem Wahlkampfleiter eine Analyse, die 20 Gründe für das Scheitern seines Vaters auflistet.
Erfolgreicher Investmentbanker
Zwar begleitete der junge Mitt seinen Vater schon im Alter von 14 Jahren zu politischen Sitzungen und Wahlkampfveranstaltungen. Allerdings machte er nach seinem Abschluss als Jurist an der Harvard University zunächst Karriere in der Wirtschaft. Als Vorsitzender der Private-Equity-Gesellschaft Bain Capital vermehrte er in 13 Jahren das Kapital des Unternehmens im Jahresdurchschnitt um über 110 Prozent. Er selbst soll ein Vermögen von rund einer Viertelmilliarde Dollar besitzen und mindestens 20 Millionen Dollar aus seiner eigenen Tasche in den aktuellen Wahlkampf gesteckt haben. Insgesamt soll er über Wahlkampfgelder von rund 44 Millionen Dollar verfügen. Damit hat er weit mehr Geld als seine Herausforderer.
In das politische Geschehen stürzte sich Mitt Romney, verheiratet und Vater von fünf Söhnen, erst im Alter von 47 Jahren. 1994 bewarb er sich erstmals - aber erfolglos - um ein Mandat im US-Senat. Im November 2002 wurde Romney zum Gouverneur des Bundesstaates Massachusetts gewählt. Das erregte vor allem deshalb Aufsehen, weil der Staat als einer der liberalsten in den USA gilt.
Todesstrafe in Massachusetts
Beifall brachte ihm in dieser Zeit die erfolgreiche Sanierung der desolaten Staatsfinanzen von Massachusetts sowie eine Reform der Krankenversicherung ein. Dabei handelt es sich um ein privates organisiertes System, in dem sich alle Bürger versichern müssen, der Staat aber die Kosten für die Ärmeren übernimmt. Romney galt lange Zeit als liberaler Pragmatiker. Um seinen Rückhalt in der Partei zu stärken, rückte er in den vergangenen Jahren zunehmend in die rechts-konservative Ecke. So versuchte er 2004 in Massachusetts, wenn auch ohne Erfolg, die Gleichstellung eheähnlicher Partnerschaften zu verhindern und die Todesstrafe wieder einzuführen.
In seinem Wahlprogramm tritt Romney für eine Liberalisierung und Privatisierung des Gesundheitssystems ein. Zudem plädiert er für niedrigere Steuern, dabei sollen sowohl die Einkommen- als auch die Unternehmenssteuern gesenkt werden. Die befristeten Steuersenkungen von US-Präsident George W. Bush sollen in dauerhafte umgewandelt werden.
Drei Gärtner ohne Papiere
Romney bedient zudem wie kein anderer seiner Rivalen die Angst vor illegalen Immigranten. Er fordert eine entschlossene Bekämpfung gesetzwidriger Einwanderung in die USA. Doch seine Glaubwürdigkeit hat schwer gelitten, als Anfang Dezember herauskam, dass sich drei guatemaltekische Gärtner ohne Papiere um den Vorgarten seiner Bostoner Villa gekümmert haben.
Als sein größtes Manko gilt seine Religionszugehörigkeit. Die meisten amerikanischen Christen sind gegenüber Mormonen misstrauisch. Vor allem die parteiinternen Kritiker - die meisten von ihnen sind Baptisten oder erzkonservativen Evangelikale – attackieren ihn deswegen heftig.Doch Romney geht immer wieder in die Offensive: «Ich bin ein Amerikaner, der als Präsident kandidieren will. Ich definiere meine Kandidatur nicht über meine Religion», versicherte er bei einem Auftritt in Texas. Die Rede erinnerte sehr an einen Auftritt von John F. Kennedy vor knapp 50 Jahren. Auch er musste sich 1960 als Präsidentschaftskandidat wegen seines katholischen Glaubens rechtfertigen: Seinerzeit hatte so mancher Amerikaner Bedenken, Kennedy würde sich bei seinen Entscheidungen vom Papst als oberste Autorität der Katholiken leiten lassen.