netzeitung.deBriten wollen 20 neue Atomkraftwerke bauen

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Die Atomanlage in Sellafield (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Atomanlage in Sellafield
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Trotz vieler schlechter Erfahrungen mit der Atomkraft, wollen die Briten nun die «Vorhut der nuklearen Renaissance» werden. Auch die deutschen Energieunternehmen haben ein Interesse daran.

Während Deutschland den Ausstieg aus der Atomenergie längst besiegelt hat, werden auf der anderen Seite der Nordsee Atomkraftwerke im großen Stil geplant. Großbritannien will dem Beispiel Frankreichs und Finnlands folgen und eine neue Generation von Atomkraftwerken bauen. Anders kann nach Ansicht der Regierung von Premierminister Gordon Brown die Energiesicherheit nicht geleistet werden. Am Donnerstag gab Wirtschaftsminister John Hutton offiziell den lang erwarteten Startschuss für den Bau der neuen Reaktoren - obwohl es auf der Insel bereits eine Reihe von katastrophalen Atompannen mit Auswirkungen in Europa gab.

«Nuklearenergie hat uns über ein halbes Jahrhundert mit sicherer Energie versorgt», verkündete Hutton. Weil Atomkraft erwiesenermaßen «billig» und «sauber» sei, könne nur sie helfen, die Klimaschutzziele der britischen Regierung zu erreichen. Privatunternehmen sollten nun ihre Pläne einreichen und Geld investieren. Auch die deutschen Energieriesen Eon und RWE sind Medienberichten zufolge interessiert. «Das ist die Gelegenheit für Großbritannien, die Vorhut der nuklearen Renaissance zu werden», formulierte es Vincent de Rivaz, Chef von EDF Energy, der britische Tochter des französischen Energiekonzerns EDF.

Briten sind Atomkraft gegenüber sorgloser
Zwar sind auch britische Umweltschützer angesichts der Wiederbelebung der Atomenergie entsetzt, doch anders als in Deutschland herrscht in Großbritannien im Allgemeinen keine übermäßige Atom-Angst. Ein Wunder, kam es doch auf englischem Boden bereits zu schwerwiegenden Störfällen: In Sellafield gerieten bei der Wiederaufarbeitung von Brennstoffen radioaktive Stoffe in die Irische See. Das Meer wurde eine atomare Müllkippe, nukleare Partikel trieben bis an die norwegische Küste. Und Ende der 50er Jahre verseuchten nach einem Brand radioaktive Gase ein Gebiet von mehreren hundert Quadratkilometern.

Zwar betitelte die Labour-Regierung die Atomenergie 2003 noch als unattraktiv. Doch nachdem Öl immer teurer wird und der Klimaschutz jetzt ganz oben auf der Agenda steht, rückte sie offenbar von ihrer Position ab. Browns Vorgänger, Tony Blair, verkündete bereits vor eineinhalb Jahren, in die Atomkraft zu investieren, denn die alten Reaktoren haben ihre beste Zeit hinter sich.

Wenig erneuerbare Energien auf der Insel
Auf der Insel liefern derzeit 19 Reaktoren rund 20 Prozent des Stroms. Bis 2035 sollen alle alten Werke abgeschaltet werden. Die große Frage war bisher, wo dann die «saubere» Energie herkommt - zumal Großbritannien sich damit brüstet, den Ausstoß von schädlichem Kohlenstoff bis 2050 um mindestens 60 Prozent zu verringern.

Um erneuerbare Energien sieht es im Vereinten Königreich immer noch vergleichsweise lausig aus. Kritiker bemängeln, dass nicht genug auf Wind, Sonne und Wasser gesetzt wird. Neidvoll blicken die Briten deshalb nach Deutschland. Die Bundesrepublik habe 300 Mal so viele Solar- und zehn Mal so viele Windkraftanlagen wie das Vereinte Königreich, rechnete Greenpeace vor.

«Während Deutschland 13 Prozent seines Stromverbrauchs aus erneuerbaren Energien gewinnt, kämpft Großbritannien schon damit, 5 Prozent zu erreichen», monierte die Kolumnistin der Zeitung «Times», Camilla Cavendish. Die Ankündigung der Regierung, den Anteil der erneuerbaren Energien bis 2015 zu verdreifachen, dürfte diese Kritik nicht verstummen lassen.
(Annette Reuther, dpa)