09. Jan 2008 12:19
Der republikanische Senator aus Arizona hat sich bei den Vorwahlen in New Hampshire überraschend deutlich gegen seine Konkurrenten durchgesetzt. Jetzt gilt er als «Konsens-Kandidat».
Der Senator aus Arizona war schon vor seinem Triumph über die innerparteilichen Konkurrenten Mitt Romney, Mike Huckabee und Rudolph Giuliani ein regelrechter «Comeback-Spezialist». McCain überstand mehr als fünf Jahre in einem Kriegsgefangenenlager in Vietnam, überlebte mehrere Flugzeugabstürze und einen Skandal im Kongress sowie eine Hautkrebs-Erkrankung.Der Wahlsieg in New Hampshire dürfte seinem Wahlkampf wieder deutlich Auftrieb geben, und McCain könnte sich mit einem weiteren Erfolg bei der nächsten Vorwahl am 15. Januar in Michigan als lang gesuchter Konsens-Kandidat der Republikaner positionieren.
Der 71-Jährige könnte das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur in seiner Partei auf einen Zweikampf zuspitzen, meint Tony Fabrizio, ein Berater der Republikaner. Dabei stünde McCain als «Mainstream-Konservativer» Huckabee gegenüber, der «Extrem-Konservative» und Überraschungssieger der vergangenen Woche in Iowa, sagt Fabrizio. Als Verlierer muss sich dagegen schon nach New Hampshire Romney fühlen, der mit 32 Prozent erneut nur auf den zweiten Platz kam, obwohl er Zehntausende Dollar mehr als seine Konkurrenten in den Wahlkampf investiert hat. McCain verdankt seinen Sieg in New Hampshire vor allem unabhängigen Wählern - wie schon vor acht Jahren, als er in dem US-Staat die Vorwahl gegen den späteren Präsidenten George W. Bush gewonnen hatte. In Umfragen unter Republikanern lag McCain mit Romney Kopf an Kopf. Bei den Unabhängigen wurde er dagegen von mehr als einen Drittel unterstützt, während sich nur ein Viertel für Romney aussprach, wie Erhebungen der Nachrichtenagentur AP und verschiedener Fernsehsender ergaben. Ins Straucheln geraten war McCains Wahlkampf im vergangenen Jahr unter anderem wegen eines Vorschlags zur umstrittenen Einwanderungspolitik, mit dem er die konservative Parteibasis verärgerte - vor allem, nachdem er bereits in Steuerfragen mit Bush aneinandergeraten war. In der Folge lag Romney in Umfragen vor der Wahl in New Hampshire vorn, nicht zuletzt, weil er Gouverneur im benachbarten Staat Massachusetts war.
Dass sich seine Aussichten wieder derart gebessert haben, verdankt McCain verschiedenen Umständen: Zum einen verlor der ehemalige New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani langsam, aber stetig an Unterstützung - er spricht die gleichen Wählergruppen an wie McCain. In New Hampshire kam Giuliani nur auf neun Prozent. Zudem triumphierte Huckabee in Iowa, auch dank der konservativen Wähler Romneys. Nicht zuletzt verebbte die Aufregung über die Einwanderungsdebatte, und McCain konnte in den vergangenen Wochen in Umfragen gegenüber Giuliani und Romney aufholen. Vier von zehn Republikanern erklärten in Umfragen vor der Vorwahl in New Hampshire, McCain sei der am besten wählbare Kandidat ihrer Partei. Damit hatte der Vietnam-Veteran einen leichten Vorsprung gegenüber Romney. Der hatte zwar Vorteile bei den Konservativen, bei den Gemäßigten konnte McCain dagegen einen Vorsprung von zwei zu eins verzeichnen. Ausschlaggebend ist nicht zuletzt die religiöse Orientierung der Bewerber um die Nachfolge von Bush: Bei den Befragten, denen wichtig ist, dass ihr Kandidat ihre religiösen Überzeugungen teilt, lag McCain in Umfragen vor dem Mormonen Romney. (AP)