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Huckabee punktet mit Volksnähe und Zuversicht

04. Jan 2008 12:58
Mike Huckabee
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Unlängst noch ein Nobody, hat sich Mike Huckabee zum Hoffnungsträger der Republikaner für die Präsidentschaft gemausert. Dabei gibt er sich bodenständig und vertritt dabei klassische Werte, wie Matthias Breitinger berichtet.

Dass es ein Gouverneur aus Arkansas an die Spitze der USA schaffen kann, hat der Demokrat Bill Clinton schon bewiesen. Nun will es wieder einer fertig bringen, wenn auch aus der anderen Partei: Mike Huckabee, der – bevor er in den Wahlkampf einstieg – nicht nur in Europa völlig unbekannt, sondern auch in weiten Teilen der USA ein Nobody war. Von 1996 bis Anfang 2007 war er zwar Gouverneur des Südstaates Arkansas, doch darüber hinaus trat er kaum in Erscheinung.

Doch spätestens jetzt ist der Außenseiter ins Rampenlicht gerückt. Am Donnerstag setzte sich in der ersten Abstimmung, wer von den Republikanern ins Rennen um das Weiße Haus gehen soll, der 52-Jährige mit 34 Prozent überraschend deutlich gegen seinen Konkurrenten Mitt Romney durch, der auf 25 Prozent kam. Weit abgeschlagen landeten Fred Thompson und John McCain mit je 13 Prozent.

Huckabee steht am ehesten für den Neuanfang

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Umso größer sind nun Freude, aber auch Überraschung im Huckabee-Lager – zumal mit dem deutlichen Vorsprung vor Romney keiner gerechnet hatte, Experten waren von einem engen Kopf-an-Kopf-Rennen ausgegangen. Allerdings: Die Republikaner wirkten im Vorfeld etwas orientierungslos, im Sog der Unbeliebtheit ihres Präsidenten George W. Bush hatte es die Parteibasis schwer, Begeisterung über die eigenen Bewerber zu entwickeln.

Hierbei hatte der Baptistenprediger Huckabee noch die besten Chancen, wie Beobachter bemerken: Selbst die Basis wolle nach der Bush-Ära einen Neuanfang – und den erkennen sie am ehesten noch im Nobody Huckabee, nicht aber im früheren New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani, nicht im Kriegsveteran McCain (der vor acht Jahren bei den Vorwahlen gegen Bush unterlag) und offenbar auch nicht in Romney.

Huckabee gilt da als der Hoffnungsträger. Zwar hat er ein Handicap, das gerade in diesem US-Wahlkampf, der als der teuerste aller Zeiten gilt, nicht zu unterschätzen ist: einen äußerst kleinen Wahlkampfapparat mit wenig Geld. Doch was ihm an Geld fehlt, macht der Südstaatler mit zwei anderen Charakterzügen wett: Optimismus und Authentizität. Nichts bei Huckabee wirkt gekünstelt oder einstudiert, stellen Wahlkampfbeobachter anerkennend fest. Da fallen auch mal ehrliche Worte, etwa wenn er auf einer Veranstaltung einräumt, dass er im Lauf der nächsten Wochen noch oftmals Unsinn erzählen werde – «weil sich das in so einer langen Kampagne einfach nicht vermeiden lässt».

Seit' an Seit' mit Chuck Norris

Für diese Ehrlichkeit, aber auch für seinen Humor und seinen Enthusiasmus lieben ihn seine Anhänger. Und sie verweisen auf seine klassisch-amerikanische Biografie: Aus einem einfachen Elternhaus stammend, war Huckabee der erste, der in seiner Familie die Highschool abschloss, an der Ouachita Baptist University in Arkansas studierte, Pastor wurde und schließlich 1996 Gouverneur seines Heimat-Bundesstaates. In seiner Freizeit spielt er Bassgitarre in einer Rockband. Huckabee, der Bodenständige. So volksnah gibt sich der Baptist auch in einem Wahlwerbespot, in dem ihm Action-Schauspieler Chuck Norris zur Seite steht und am Ende des einmütigen Films mit ausgeholter Faust die Approbation erteilt.

Zugleich ist Huckabee ein Mann mit klassischen konservativen Werten. Damit könnte es dem Baptisten gelingen, die Evangelikalen zu befriedigen, die Bush 2004 zur Wiederwahl verhalfen. Da hat Romney ganz offensichtlich ein Problem – er ist Mormone. Huckabee hingegen vertritt Positionen, die ihn bei der religiösen Rechten punkten lassen: Er ist Abtreibungsgegner, Anhänger der Todesstrafe und bezweifelt die Darwinsche Evolutionstheorie. Er verteidigt das Recht, Waffen zu tragen. Zudem tritt er für die Definition der Ehe als Partnerschaft zwischen Mann und Frau und damit gegen die Homo-Ehe ein.

Mit alldem macht sich Huckabee Freunde bei den Konservativen, zumal bei denen, die etwa den Konkurrenten Rudy Giuliani als zu liberal empfinden und Mitt Romney als «Flip-Flopper» abtun, der seine liberalen Ansichten zu Abtreibung und Homosexualität um 180 Grad gedreht habe. Allerdings sorgt Huckabee auch in der eigenen Partei für Erstaunen: Er will alle landesweiten Steuern inklusive der Einkommenssteuer abschaffen und durch eine 23-prozentige Mehrwertsteuer ersetzen, die er «Fair Tax» nennt.

Außenpolitische Erfahrung fehlt

Was Huckabee im Wahlkampf derzeit zupass kommt: Er dreht sich hauptsächlich um innenpolitische Themen wie Einwanderung oder eine Gesundheitsreform. In der Außenpolitik könnte der Ex-Gouverneur weitaus schwieriger punkten, denn da fehlt es ihm schlicht an Erfahrung – allerdings auch seinem Konkurrenten Romney, der bis Frühjahr vier Jahre lang Gouverneur von Massachusetts war.

Von Journalisten nach der geringen außenpolitischen Qualifikation gefragt, erwiderte Huckabee lediglich: «Wichtig ist, dass man über Urteilsvermögen verfügt, um mit den auf einen zukommenden Problemen fertig zu werden.» Er wisse, wie die Welt funktioniere. Doch in Erklärungen zur Ermordung der pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto zeigte sich der Republikaner nicht sattelfest: Er sprach darin vom «andauernden» Ausnahmezustand in Pakistan – der im November verhängte Notstand war aber schon vor einigen Wochen aufgehoben.

Hintergrund:
Die kommenden Wochen werden zeigen, inwieweit Huckabee von seinem Vorsprung in Iowa profitieren kann. Die Vorabstimmung in dem Bundesstaat gilt zwar für die nachfolgenden Vorwahlen als richtungsweisend. Doch im New-England-Staat New Hempshire rechnet sich Romney bessere Chancen aus. Dort haben die christlichen Konservativen weniger Einfluss, und Romney als Ex-Gouverneur des Nachbarstaates Massachusetts dürfte vom größeren Bekanntheitsgrad profitieren.

«Vielen Dank für alles, was ihr getan habt», bedankte sich Huckabee am Donnerstagabend bei seinen Anhängern. «Es geht weiter durch all den anderen Staaten und endet in der Pennsylvania Avenue 1600», also im Weißen Haus. Wie bei seinem einstigen Amtsvorgänger Bill Clinton. Das wäre dann nicht das einzige, was sie verbindet – sie stammen beide aus dem kleinen Örtchen Hope.

 
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