28.12.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Nach dem Mord an Bhutto kam es in Pakistan landesweit zu teils schweren Ausschreitungen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das Terrornetzwerk Al Qaeda soll die Verantwortung für das Attentat auf die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto übernommen haben. In der vergangenen Nacht war es in Pakistan zu schweren Ausschreitungen gekommen.
Das Terrornetzwerk Al Kaida hat sich nach Medienberichten zum Anschlag auf die pakistanische Oppositionsführerin und zweimalige Regierungschefin Benazir Bhutto bekannt. Wie die Zeitung «Asia Times» am Freitag in ihrer Onlineausgabe berichtete, übernahm die Führung der Al Qaeda in Afghanistan die Verantwortung für die Ermordung der 54-Jährigen. Das berichtete auch der pakistanische Fernsehsender Ary TV.
Bhutto war am Donnerstag bei einer Wahlkampfveranstaltung ihrer Pakistanischen Volkspartei PPP in Rawalpindi von einem Attentäter durch Schüsse tödlich verletzt worden. Anschließend sprengte sich er selbst in die Luft. Dabei starben mindestens 20 Menschen. Auch die US-Bundespolizei FBI und die Behörde für Heimatsicherheit schreiben den Anschlag Al Qaeda zu. Das Terrornetzwerk habe sich laut islamistischen Webseiten zu dem Attentat bekannt. Die Webseiten würden geheimdienstlich geprüft, sagte FBI-Sprecher Richard Kolko.
Leichnam überführtDie Oppositionsführerin soll am Freitag in ihrem Heimatort Garhi Khuda Baksh in der südpakistanischen Provinz Sindh beigesetzt werden. In der Nacht war der Leichnam mit einem Militärflugzeug von Rawalpindi nach Sukkur übergeführt worden. Bhutto sollte ihre letzte Ruhe an der Seite ihres Vaters finden, der 1977 als pakistanischer Regierungschef vom Militär gestürzt und zwei Jahre später hingerichtet worden war. Auch zwei ihrer Bürder, die unter mysteriösen Umständen ums Leben kamen, sind dort begraben.
Nach dem Attentat war es in der Nacht landesweit zu Ausschreitungen aufgebrachter Bhutto-Anhänger gekommen. Die schwersten Unruhen wurden aus der südlichen Hafenstadt Karachi gemeldet. Autos und Regierungsgebäude wurden in Brand gesteckt, Geschäfte geplündert und Straßen mit brennenden Reifen blockiert. Bei Zusammenstößen mit Sicherheitskräften wurden nach Berichten pakistanischer Fernsehsender insgesamt 15 Menschen getötet.
Dreitägige StaatstrauerPräsident Pervez Musharraf hatte die Bevölkerung zuvor zur Ruhe aufgerufen und eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. In einer Fernsehansprache machte er islamische Extremisten für den Anschlag verantwortlich. «Dies war die Tat derselben Extremisten, gegen die auch wir kämpfen.» Erst vor zehn Tagen hatte Musharraf den Ausnahmezustand aufgehoben. Pakistan, seit 1998 Atommacht, ist ein enger Verbündeter der USA im Kampf gegen den Terrorismus.
Der Mord an Bhutto löste internationale Empörung aus. US-Präsident George W. Bush nannte es einen «feigen Akt». Die Kräfte, die dahinter stünden, wollten die Demokratie in Pakistan untergraben. UN- Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einem «ruchlosen Verbrechen». Bundeskanzlerin Merkel reagierte mit «Erschütterung und Abscheu».
Die populäre Politikerin war erst Mitte Oktober aus dem selbstgewählten Exil zurückgekehrt. Sie strebte nach ihrer Rückkehr erneut in des Amt der Regierungschefin. Auf Druck der USA willigte Staatschef Musharraf ein, ihre Partei PPP bei den geplanten Parlamentswahlen zuzulassen. Gerüchten zufolge gab es zwischen Musharraf und Bhutto einen Kompromiss: Sie wird Premierministerin und Musharraf, der im November auf Druck der Opposition als oberster Militärmachthaber zurücktrat, bleibt Staatspräsident. (nz/dpa/AP)
Die populäre Politikerin war erst Mitte Oktober aus dem selbstgewählten Exil zurückgekehrt. Sie strebte nach ihrer Rückkehr erneut in des Amt der Regierungschefin. Auf Druck der USA willigte Staatschef Musharraf ein, ihre Partei PPP bei den geplanten Parlamentswahlen zuzulassen. Gerüchten zufolge gab es zwischen Musharraf und Bhutto einen Kompromiss: Sie wird Premierministerin und Musharraf, der im November auf Druck der Opposition als oberster Militärmachthaber zurücktrat, bleibt Staatspräsident. (nz/dpa/AP)