netzeitung.deUnruhen in Pakistan nach Mord an Bhutto

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Der Sarg von Benazir Bhutto (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der Sarg von Benazir Bhutto
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Nach dem Mord an Oppositionsführerin Benazir Bhutto hat Pakistans Präsident Musharraf eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Der ehemalige Ministerpräsident Nawaz Sharif kündigte einen Boykott der Parlamentswahl an.

Nach dem Mordanschlag auf die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto sind bei landesweiten Unruhen mindestens 15 Menschen getötet worden. Die schwersten Ausschreitungen wurden aus der Hafenstadt Karachi und der südlichen Provinz Sindh gemeldet - der Hochburg der am Donnerstag bei einem Attentat ermordeten Politikerin. Wütende Anhänger steckten Dutzende von Autos und Regierungsgebäude in Brand, plünderten Geschäfte und blockierten Straßen mit brennenden Reifen, wie pakistanische Fernsehsender berichteten. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften. In mehreren Städten gingen aufgebrachte Demonstranten gegen die Regierung auf die Straße und plünderten zahlreiche Büros der Pakistanischen Muslim-Liga (PML-Q), auf die sich Präsident Pervez Musharraf stützt.

Der ehemalige Ministerpräsident Nawaz Sharif hat einen Boykott der für den 8. Januar geplanten Parlamentswahl erklärt. Er rief Staatschef Pervez Musharraf zum sofortigen Rücktritt auf. Unter Musharraf seien freie und faire Wahlen nicht möglich, sagte Sharif auf einer Pressekonferenz in Rawalpindi. Dort hatte er zuvor in einer Klinik dem Leichnam Bhuttos seine Referenz erwiesen.

Musharraf hat die Bevölkerung seines Landes nach dem Mord an der Oppositionsführerin aufgerufen, Ruhe zu bewahren. In einer Fernsehrede an die Nation ordnete er eine dreitägige Staatstrauer an. In mehreren pakistanischen Städten kam es zu Unruhen. Möglicherweise soll auch die für den 8. Januar geplante Parlamentswahl verschoben werden.

Vor dem Krankenhaus am Tatort Rawalpindi machten sich Hunderte Bhutto-Anhänger mit Sprechchören gegen die Regierung Musharraf Luft. Viele von ihnen sehen in ihm den Verantwortlichen für Bhuttos Tod. Aus anderen Städten des Landes wurden am Abend teils gewalttätige Proteste gemeldet. Alle Fernsehsender unterbrachen ihre Programme und schalteten in die Garnisonsstadt Rawalpindi.

Dort waren nach einer Wahlkampfveranstaltung Schüsse auf Bhutto abgefeuert worden. Wenig später war die frühere Premierministerin und charismatische Oppositionsführerin in einem Krankenhaus ihren schweren Verletzungen an Kopf und Nacken erlegen. Mit Bhutto starben mindestens 20 ihrer Anhänger, als sich ein Selbstmordattentäter nach den tödlichen Schüssen in die Luft sprengte.

«Feiger terroristischer Anschlag»
Pakistans ehemaliger Premier Nawaz Sharif hat den Tod der pakistanischen Oppositionsführerin als «Tragödie für die gesamte Nation» bezeichnet. «Das ist eine sehr ernste Situation für das Land», sagte Sharif dem britischen Sender BBC am Donnerstag. Die Regierung hätte mehr für Bhuttos Schutz tun müssen. Niemand sollte irgendeinen Gewinn aus dem Geschehen ziehen. «Das ist eine Tragödie für ihre Partei und für unsere Partei.»

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mit «Erschütterung und Abscheu» auf die Ermordung der ehemaligen Premierministerin und pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto reagiert. Sie verurteilte die Tat aufs Schärfste und sprach von einem «feigen terroristischen Anschlag». Der Vorgang unterstreiche die Notwendigkeit, den Kampf gegen den Terrorismus fortzusetzen und denjenigen beizustehen, die unter seinen Folgen zu leiden hätten, teilte die Kanzlerin über Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Donnerstag in Berlin mit.

Steinmeier fordert freie und faire Wahlen
Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, die Ermordung Bhuttos so kurz vor den anstehenden Parlamentswahlen und die jüngsten Gewaltakte während des Wahlkampfes seien ein schwerer Schlag für alle, die in Pakistan für Demokratie kämpften. Gewalt könne und dürfe kein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein. «Alle politisch Verantwortlichen in Pakistan müssen ihren Beitrag zur Stabilität des Landes, für Rechtsstaatlichkeit und Demokratie leisten und die Voraussetzungen für freie und faire Wahlen schaffen», sagte Steinmeier.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Ermordung der pakistanischen Oppositionsführerin Benazir Bhutto als «ruchloses Verbrechen» verurteilt. «Das ist ein Anschlag auf die Stabilität in Pakistan und auf den demokratischen Prozess des Landes», erklärte Ban am Donnerstag in New York. Der Sicherheitsrat kam unterdessen im UN- Hauptquartier kurzfristig zu einer Sondersitzung zusammen. Die internationale Gemeinschaft müsse deutlich machen, dass sie solche völlig inakzeptablen Handlungen nicht hinnehmen könne, sagte der amtierende italienische Ratspräsident Marcello Spatafora.

Bush verurteilt «feigen Akt»
US-Präsident George W. Bush hat den Mordanschlag auf Benazir Bhutto scharf verurteilt und die Bestrafung der Verantwortlichen verlangt. Bush sprach auf seiner Ranch in Texas vor Journalisten von einem «feigen Akt mörderischer Extremisten, die versuchen, die Demokratie in Pakistan zu untergraben». Der US-Präsident übermittelte den Angehörigen Bhuttos sein Beileid und sagte: «Wir stehen an der Seite des pakistanischen Volkes in ihrem Kampf gegen die Kräfte des Terrors und des Extremismus. Wir rufen es auf, das Andenken an Benazir Bhutto zu ehren, indem es den demokratischen Prozess weiterführt, für den sie so tapfer ihr Leben gegeben hat.»

Der britische Außenminister David Milibad sagte, er sei «zutiefst geschockt», sagte der britische Außenminister David Miliband am Donnerstag in London. Das Attentat sei ein «sinnloser Angriff» gewesen. Bhutto sei sich des Risikos bewusst gewesen, nach Pakistan zurückzukehren. «Aber sie war überzeugt, dass ihr Land sie braucht.»

«Angriff gegen die Demokratie»
Der französische Außenminister Bernard Kouchner hat sich «schwer erschüttert» gezeigt. Er verurteile die «schlimme Tat» und spreche den Angehörigen aller Opfer sein Mitleid aus, teilte das Außenministerium am Donnerstag in Paris mit. «Die Stabilität und die Demokratie Pakistans müssen ins Zentrum der Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft rücken», heißt es in der Stellungnahme.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat das tödliche Attentat in scharfen Worten verurteilt. «Das ist ein Angriff gegen die Demokratie und gegen Pakistan», erklärte Barroso am Donnerstag in Brüssel. Er hoffe, dass Pakistan weiterhin auf dem Weg der Rückkehr zur Demokratie bleibe, erklärte Barroso. (dpa/AP)