netzeitung.dePilgeransturm auf Israel

 Herausgeber: netzeitung.de

Bethlehem (Archivbild) (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Bethlehem (Archivbild)
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Zehntausende sind unterwegs an die Stätten der biblischen Weihnachtsgeschichte in Bethlehem, Jerusalem und Nazareth. Die Katholiken im Land mahnten zur Versöhnung.

Eindringlich hat der lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Michel Sabbah, die Konfliktparteien im Nahen Osten zur Versöhnung aufgerufen. In seiner Weihnachtspredigt in der Geburtskirche in Bethlehem kritisierte Sabbah zugleich die israelische Besatzung der Palästinensergebiete und die Existenz von «politischen Gefängnissen». An der traditionellen Messe in der Nacht zum 1. Weihnachtsfeiertag nahm auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas teil.

In der Geburtsstadt Jesu hatten zuvor die traditionellen Weihnachtsfeierlichkeiten begonnen. Das Oberhaupt der römischen Katholiken wurde am Nachmittag auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche von einer Menschenmenge empfangen. Israel rechnet über die Weihnachtstage mit rund 60.000 Pilgern und Touristen aus dem Ausland, vor allem in Bethlehem, Jerusalem und Nazareth. Das sind 20.000 mehr als vor einem Jahr. Die christlichen Pilger begannen schon am Sonntag verstärkt in die Geburtsstadt von Jesus zu strömen.

Der 74-jährige Sabbah sagte, Besatzung oder jede andere Form von Unterdrückung könne «mit der Berufung dieses Landes nicht übereinstimmen. Es ist das Land Gottes. Es kann daher nicht für die einen das Land des Lebens, und für die anderen das Land des Todes, des Ausschlusses, der Besatzung oder der politischen Gefängnisse sein.» Alle müssten hier in Würde und Sicherheit leben können.

Absage an Extremismus
«Wir müssen den Willen Gottes für dieses Land erkennen», sagte Sabbah in seiner letzten Weihnachtspredigt als Patriarch. Gott habe im Laufe der Jahrhunderte Juden, Christen, Moslems und Drusen hier versammelt. Sabbah, der erste Palästinenser im Amt, übergibt seinen Bischofsstuhl im nächsten Jahr an Erzbischof Fouad Twal, der von Papst Benedikt XVI. bereits 2005 als Nachfolger bestimmt wurde.

Eine eindeutige Absage erteilte der Patriarch jeder Form von religiös motiviertem Extremismus. «Gewalt kann sich auf keine Religion berufen.» Die religiösen Führer sollten die Gläubigen «auf den Wegen der Gerechtigkeit, des Rechts, der Vergebung» bestärken.

Nachdrücklich rief Sabbah die Christen trotz aller Schwierigkeiten auf, im Land zu bleiben: «Ihr habt einen Platz hier, mehr noch, eine Berufung: die Berufung, Christ zu sein, hier im Lande Jesu». «Unsere Gegenwart hier ist bleibendes Zeugnis für die universale Berufung dieses Landes, Land Gottes, Land für die drei Religionen und die zwei Völker, die hier leben», betonte Sabbah. (nz/AP)