netzeitung.deUSA unterstützen türkische Armee im Irak

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Die Ziele für das türkische Militär im Irak liefert der US-Geheimdienst (NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Ziele für das türkische Militär im Irak liefert der US-Geheimdienst
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Angriff der Türkei gegen PKK-Stützpunkte im Nordirak wird laut Medienberichten massiv von US-Geheimdiensten unterstützt. Die US-Experten würden den türkischen Militärs «praktisch die Ziele aufzeigen».

Monatelang haben die USA die Türkei im Kampf gegen die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK um Zurückhaltung gebeten. Damit ist spätestens seit dem Wochenende Schluss. Bei den Angriffen der vergangenen Tage mit Kampfflugzeugen und Bodentruppen haben US-Experten dem türkischen Militär die Hand geführt, wie in Washington und in Ankara deutlich gemacht wurde.

Fast wie in einer Fernsehshow habe er die Zerstörung von PKK-Stützpunkten in den irakischen Kandil-Bergen aus der Ferne beobachten können, sagt der türkische Generalstabschef Yasar Büyükanit zufrieden.

Die türkische Armee ist überzeugt, der PKK empfindliche Schläge versetzt zu haben. Monatelang konnte sich die als Terrororganisation eingestufte Kurden-Partei darauf verlassen, dass sich die USA vor allem um die relative Stabilität im Nordirak sorgen und schon deswegen nicht gegen die Lager der PKK vorgehen. Diese Taktik funktioniert angesichts der neuen Zusammenarbeit zwischen den USA und dem NATO-Partner Türkei nicht mehr.

Die PKK muss nun erleben, wie kurz die Kommunikationswege zwischen den US-Geheimdiensten und den Besatzungen der türkischen Kampfjets am Himmel über dem Nordirak geworden sind. So sei der PKK-Anführer Murat Karayilan lokalisiert worden, als er über Satellitentelefon den PKK-Vertreter Feyman Hüseyin angerufen habe, schreiben türkische Zeitungen. Für die türkischen Jets galt sofort: Feuer frei!

PKK schwer angeschlagen
Die US-Experten würden den türkischen Militärs «praktisch die Ziele aufzeigen», zitiert die «Washington Post» einen US-Regierungsbeamten. Mehrere PKK-Lager im Dreiländereck Irak-Türkei-Iran sind nun weitgehend zerstört, die Kommandostruktur der PKK schwer angeschlagen.

Der Protest der kurdischen Autonomieregierung fiel verhalten aus, als hätten die kurdischen Politiker mit einem solchen Angriff bereits gerechnet. Regierungssprecher Dschamal Abdullah war um nüchterne Distanz bemüht: «Die Regierung der Region Kurdistan betont erneut, dass sie kein Teil des andauernden Konfliktes zwischen der Türkei und den PKK-Kämpfern ist, und sie bemüht sich, das Problem zu lösen, und zwar fernab militärischer Optionen.»

International die schärfste Warnung kam noch aus Brüssel, wo vor «unverhältnismäßigem militärischen Handeln» gewarnt wurde. Die Türkei solle sich bemühen, die Probleme mit den Kurden «auf dem Weg des Dialogs zu lösen», sagte eine EU-Sprecherin. Einen ernsthaften Dialog aber gibt es auch nicht, nachdem die pro-kurdische Partei der Demokratischen Gesellschaft (DTP) ins Parlament eingezogen ist.

Inzwischen läuft gegen die Partei ein Verbotsantrag. Der neue DTP-Vorsitzende Nurettin Demirtas wurde zu Wochenbeginn aus Deutschland kommend auf dem Flughafen von Ankara festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, sich mit einem gefälschten Gesundheitsattest dem Militärdienst entzogen zu haben. (Carsten Hoffmann, dpa)