14.12.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Umweltaktivisten setzen sich für Klimaziele ein
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Als «unfair und skandalös» hat Greenpeace den neuen US-Klimavorschlag bewertet und von den Europäern gefordert, klare Richtlinien durchzusetzen. Dagegen lobte Umweltminister Gabriel zum erstenmal die USA für ihre Rolle auf Bali.
Umweltorganisationen haben bei der Weltklimakonferenz auf Bali an die Europäer appelliert, standfest zu bleiben. Der neueste Vorschlag der USA für das Abschlusspapier sei «unfair und skandalös», sagte Marcelo Furtado von Greenpeace. In dem zu später Nachtstunde präsentierten Papier schlagen die Amerikaner vor, dass jedes Land eigene Maßnahmen zur Minderung der Treibhausgase finden soll. Von verbindlichen Reduktionszielen ist nicht die Rede. Die Europäer haben das Papier in der Kernverhandlungsrunde von 40 Ministern abgelehnt. In der Runde sitzt auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD).
Die Erklärung von Bali soll formell die Verhandlungen über einen neuen Weltklimaschutzvertrag in Gang bringen. Das Abkommen soll 2009 unterzeichnet werden und 2012 in Kraft treten. «Keiner, der es bei solchen Verhandlungen ernst meint, kommt in letzter Sekunde mit einem solchen Papier», sagte Bill Hare von Greenpeace. «Wir brauchen klare Richtlinien.» Er rief die Europäer auf, von ihren Forderungen nicht abzuweichen.
Die Europäer wollen in dem Verhandlungsmandat das Ziel einer Treibhausgasminderung der Industrieländer um 25 bis 40 Prozent bis 2020 festschreiben. Das haben die Wissenschaftler des Weltklimarats IPCC dringend empfohlen, wenn die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch abgewendet werden sollen. Die USA wollen über konkrete Ziele erst während de zweijährigen Verhandlungen über den neuen Vertrag diskutieren.
Gabriel kritisiert Klimapolitik Russlands auf BaliBundesumweltminister Sigmar Gabriel hat sich am Schlusstag der Weltklimakonferenz auf Bali pessimistisch geäußert. Neben den USA lehne auch Russland jegliche Festlegung auf mittelfristige Klimaziele ab, sagte der SPD-Politiker am Freitag vor der letzten Verhandlungsrunde. «Die Russen akzeptieren nicht mehr das, was sie noch vor vier Wochen in Wien unterschrieben haben», sagte Gabriel. Dort hatten die Staaten, die das Kyoto-Protokoll ratifiziert haben, bei einem Vorbereitungstreffen übereingestimmt, dass die Industriestaaten bis 2020 ihre Emissionen um 25 bis 40 Prozent reduzieren müssen. Das Problem sei in Russland wie in den USA, dass es keine nationale Strategie zur Minderung der Treibhausgase gebe und dass sich die Staaten deshalb nicht international auf ein Ziel festlegen wollten, sagte Gabriel.
Auch der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, äußerte sich am Freitag erneut «besorgt über das Tempo hier». Im AP-Gespräch fügte er an: «Wir müssen uns die Dringlichkeit klarmachen.» Allerdings sei er auch überzeugt, dass «jeder hier auf ein Ergebnis hinarbeitet». Gabriel lobte zum erstenmal die USA für ihre Rolle auf Bali. «Die Amerikaner haben sich konstruktiv verhalten.» Allerdings lehnen sie nach wie vor eine Festlegung auf die Zielmarke von 25 bis 40 Prozent bis 2020 ab. Möglicherweise muss sich die EU nun damit zufrieden geben, nur auf ein Langfristziel zu verweisen - 50 Prozent Verminderung der Treibhausgase bis 2050. Gabriel hatte dies stets als unzureichend bezeichnet, weil das Zieldatum zu weit entfernt sei. (AP)