netzeitung.deDutzende Tote nach Explosionen in Algier

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Algier nach den Anschlägen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Algier nach den Anschlägen
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Bei zwei Bombenanschlägen in der algerischen Hauptstadt Algier sind Dutzende Menschen getötet worden. Einer der Sprengsätze detonierte in der Nähe des Obersten Gerichtshofes. Auch UN-Mitarbeiter sind betroffen.

Bei fast zeitgleichen Terroranschlägen auf zwei symbolische Orte in Algier sind am Dienstag nach offiziellen Angaben mindestens 45 Menschen getötet worden. Der erste Anschlag vor dem Obersten Gerichtshof in der algerischen Hauptstadt riss mindestens 30 Menschen in den Tod. Der zweite Anschlag richtete sich gegen das UN-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) und kostete mindestens 15 Menschen das Leben, sagte ein Verantwortlicher des Zivilschutzes. Unter den Toten waren mindestens zehn UN-Mitarbeiter.

Niemand bekannte sich zunächst zu den Taten, der Verdacht fiel auf den nordafrikanischen Flügel von Al Kaida. Die Terrororganisation hatte sich zuletzt eines Anschlags vom 11. April in Algier mit 33 Toten bezichtigt. Auch das Datum, der 11. Dezember, wurde als Hinweis auf einen islamistischen Hintergrund gedeutet. «Anschläge wie diese sind am einfachsten zu verüben», sagte Innenminister Noureddine Yazid Zerhouni der amtlichen Nachrichtenagentur APS. «Ich habe immer betont, dass wir vor derartigen Taten nicht sicher sind.»

Ein UN-Sprecher sagte in Genf, es sei noch nicht klar, für welche Organisationen die getöteten Mitarbeiter gearbeitet hätten. APS meldete, unter den Toten seien auch Insassen eines Schulbusses, der bei einer Explosion getroffen worden sei. Neben dem UNHCR im Wohnviertel Hydra liegt auch das Büro des UN-Entwicklungsprogramms. Die beiden Autobomben waren am Morgen im Abstand von zehn Minuten explodiert. Das algerische Fernsehen zeigte Bilder eines Gebäudes, das bis auf das Betongerüst zerstört war. Algerien befindet sich seit 1992 im ständigen Konflikt mit islamischen Fundamentalisten. Damals stand deren Islamische Heilsfront (FIS) bei einer Parlamentswahl kurz davor, die Regierungsmehrheit zu erringen. Die Wahl wurde aber von den Streitkräften für ungültig erklärt, die Fundamentalisten gingen in den Untergrund. Bei Anschlägen, Überfällen und Kämpfen mit Polizei und Soldaten kamen seitdem nach Schätzungen 200.000 Menschen ums Leben.

Salafisten schlossen sich im Januar Al Kaida an
Ende der 90er Jahre flaute die Gewalt etwas ab. In einem Referendum am 29. September 2005 sprach sich die algerische Bevölkerung mit großer Mehrheit für einen Plan von Präsident Abdelaziz Bouteflika zur nationalen Versöhnung aus, verbunden mit einer weitgehenden Amnestieregelung. Allerdings schloss sich die bislang unter dem Namen Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) bekannte islamistische Untergrundorganisation im Januar der Al Kaida an und benannte sich in Al Kaida im Maghreb um. Seitdem richtet sich ihr Kampf zunehmend gegen westliche Interessen und Institutionen.

Nach Angaben des französischen Geheimdienstes haben sich Menschen aus ganz Nordafrika der neuen Organisation angeschlossen. Erst am 6. September hatten Selbstmordattentäter in der östlichen Stadt Batna 22 Menschen getötet, zwei Tage später waren bei Bombenanschlägen auf eine Kaserne der Küstenwache in Dellys 26 Menschen ums Leben gekommen. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der vergangene Woche auf Staatsbesuch in Algerien war, drückte seinem algerischen Kollegen Bouteflika am Dienstag sein Beileid aus. Er verurteilte «diese barbarischen und feigen Taten». «Ich bin erschüttert über diese ruchlosen Anschläge auf Zivilisten», erklärte EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner in einer Pressemitteilung. Sie hoffe, dass die Verantwortlichen für diese furchtbare Tat zur Rechenschaft gezogen würden. (AP)