Gore: Gegen den Klimawandel mobilisieren
10. Dez 2007 11:29, ergänzt 18:13
 |  Al Gore (l.) und Rajendra Pach (r.) bei der Nobelpreisverleihung in Oslo | Foto: dpa |
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Bei der Vergabe der Nobelpreise stand der US-Amerikaner Al Gore, der den Friedensnobelpreis erhielt, mit einer drastischen Mahnung an die Welt im Mittelpunkt. Zu den Geehrten gehören auch zwei Deutsche.
In Oslo und Stockholm wurden am Montag die diesjährigen Nobelpreise verliehen. Die Feier fand wie immer am Todestag des Stifters Alfred Nobel statt, der am 10. Dezember 1896 starb. Der Friedensnobelpreis ging an den früheren US-Vizepräsidenten Al Gore und den Weltklimarat (IPCC) für ihren unermüdlichen Kampf gegen die Erderwärmung.
Al Gore hat bei der Verleihung des Preises zu einer Mobilisierung gegen den Klimawandel aufgefordert, wie man sie bisher nur von Kriegen kennt. Gore sagte: «Wir Menschen haben es mit einem globalen Notfall zu tun. Die Erde hat jetzt Fieber. Und das Fieber steigt.» Der indische Chef des Weltklimarates, Rajendra Pachauri, erklärte, die Eindämmung der globalen Erwärmung sei die «vielleicht entscheidende Sicherheitsfrage unserer Zeit».
Das norwegische Nobelkomitee begründete die Vergabe des Preises an den 59- jährigen US-Politiker und den 1988 gegründeten Weltklimarat mit deren erfolgreichen Bemühungen zur «Ausbreitung von größerem Wissen um die von Menschen verursachten Klimaänderungen».
Gore sagte in seiner Dankesrede in Anwesenheit von Norwegens König Harald V.: «Wir müssen schnell einen Weg finden, um unsere globale Zivilisation zu mobilisieren.» Dies müsse mit der Dringlichkeit geschehen, wie es bisher nur geschah, «wenn Nationen für einen Krieg mobilisiert haben».
Weitere Nobelpreise
In Stockholm wurden außerdem die Preise für Medizin, Physik, Chemie, Wirtschaft und Literatur den jeweiligen Gewinnern übergeben. Darunter ist auch der deutsche Wissenschaftler Peter Grünberg, der gemeinsam mit dem Franzosen Albert Fert für Bahn brechende Arbeiten zur Steigerung der Leistungsfähigkeit von Computer-Festplatten mit dem Physiknobelpreis geehrt wird. Der deutsche Physiker Gerhard Ertl erhält für seine systematische Grundlagenforschung im Bereich der Oberflächenchemie den Nobelpreis für Chemie.Der Literaturnobelpreis ging an die britische Schriftstellerin Doris Lessing. Die 88-Jährige wird aus Gesundheitsgründen allerdings nicht selbst zur Verleihung nach Stockholm kommen. Den Nobelpreis für Wirtschaft erhalten drei Amerikaner, den für Medizin zwei amerikanische und ein britischer Wissenschaftler. Verkündet wurden die Gewinner Anfang Oktober. Die Preise sind jeweils mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert.
 |  Spezialgebiet von Gerhard Ertl ist Oberflächenforschung | Foto: AP |
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Ertl experimentierte schon im Kinderzimmer
Am Tag seines 71. Geburtstages wurde der Berliner Wissenschaftler Gerhard Ertl vor zwei Monaten von der Mitteilung aus Stockholm überrascht. Er habe schon gewusst, dass er im Favoritenkreis für einen Nobelpreis sei, «aber auch der engere Kreis ist noch ziemlich groß», sagte er damals im Trubel der anschließenden Gratulationen im Berliner Fritz-Habel-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, an dem er bis 2004 geforscht hat. Im Bereich der mit dem Nobelpreis in Chemie ausgezeichneten Oberflächenforschung habe er schließlich seit 45 Jahren gearbeitet. Der am 10. Oktober 1936 in Stuttgart-Bad Cannstatt geborene Ertl ist ein weltweit anerkannter Wissenschaftler auf dem Gebiet der physikalischen Chemie. Sein Spezialgebiet ist die Grundlagenforschung der Oberflächenchemie. Eines seiner Hauptwerke ist die fünfbändige Enzyklopädie zum Thema «Heterogene Katalyse», ein Standardwerk der Katalysatorforschung. Vom Kunstdünger zur Abgasreinigung und bis hin zur Brennstoffzelle wird seine Forschung heute eingesetzt. «Gerhard Ertl ist einer der ersten, der das Potenzial dieser neuen Techniken erkannte», begründete das Nobelpreiskomitee seine Entscheidung.
Schon im Kinderzimmer übte er mit chemischen Experimenten - bis seiner Mutter das nicht immer ganz geruchslose Tun verbot. Er entschied er sich für die Physik, die er in Stuttgart, Paris und München studierte. An der Technischen Universität München promovierte er und habilitierte sich mit der «Untersuchung von Oberflächenstrukturen und -Reaktionen mittels Beugung langsamer Elektronen». Ertl arbeitete als Professor an der Universität Hannover und der Ludwig-Maximilian-Universität München, hatte in den 70er und 80er Jahren drei Gastprofessuren in den USA, darunter am renommierten California Institute of Technology (Caltech) und wurde 1986 schließlich Leiter der Abteilung für Physikalische Chemie am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. Er ist mit acht Ehrendoktorwürden ausgezeichnet, darunter die der drei Berliner Hochschulen. Ertl ist verheiratet und hat eine Tochter.
 |  Peter Grünberg revolutionierte die Computerwelt | Foto: dpa |
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IBM war bei Grünbergs Patent zuerst zur Stelle
Die Leistung es Physikers Peter Grünberg hat die Computerwelt im letzten Jahrzehnt revolutioniert. Bereits 1988 wurde seine Entdeckung des Riesenmagnetowiderstands (GMR Giant Magnetorestistance) patentiert. Der Effekt löste Problem des knappen Speicherplatzes in Computern und ermöglichte die heute verwendeten Giga-Byte-Festplatten. Rund 100 Milliarden Euro Umsatz werden nach Schätzungen des Jülicher Forschungsinstituts, an dem Grünberg von 1972 bis 2004 arbeitete, jährlich dank seiner Erfindung weltweit gemacht. Der 68-jährige Forscher gab sich eher gelassen, als er am 9. Oktober vom Nobelpreis in Physik erfuhr. Als die Nachricht kam, sei er in seinem Büro gewesen: «Weil man ja weiß, dass der Anruf aus Stockholm gewöhnlich um 11.30 Uhr kommt». Der Forscher selbst ist durch die patentierte Entwicklung wohlhabend geworden, auch wenn der größte Teil der Patentgebühren - bisher immerhin ein zweistelliger Millionenbetrag - an das Forschungszentrum in Nordrhein-Westfalen ging. Um ein Vielfaches größer hätte die Ausbeute für die deutsche IT-Industrie werden können, hätte sie damals vor der US-Konkurrenz auf Grünbergs Patent zugegriffen. «Die Sache ist von den deutschen Firmen in der Anfangsphase nicht sehr beachtet worden, das war in erster Linie IBM. Die haben davon gehört und waren sofort auf der Bühne und haben das in die Festplatten reingebracht», erzählte Grünberg. Dabei war dem Forscher von Anfang an klar, welche Möglichkeiten in seiner Erfindung steckten. «Deshalb haben wir es ja patentieren lassen».
Der Vater von drei Kindern will seine Familie an dem Preisgeld teilhaben lassen, es aber für die Forschung nutzen. Grünberg wurde am 18. Mai 1939 in Pilsen, im heutigen Tschechien, als Sohn eines Diplomingenieurs geboren. Die Familie siedelte nach dem Krieg nach Lauterbach in Hessen um. Er studierte in Frankfurt am Main und Darmstadt und promovierte 1969. 1972 kam er an das Jülicher Forschungszentrum. Grünberg ist bereits Träger des Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten.
Die Europäische Kommission und das Europäische Patentamt zeichneten ihn 2006 als «Europäischen Erfinder des Jahres» aus. In diesem Jahr erhielt er bereits die Stern-Gerlach-Medaille der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.
Die Arbeit Grünbergs ist eng verbunden mit der des französisches Physiker Albert Fert, mit dem er sich den Nobelpreis teilt. (nz/dpa)