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Annapolis - 60 Jahre nach der Teilung Palästinas

29. Nov 2007 11:17
Israelischer Sperrwall: Vor genau 60 Jahren wurde die Teilung Palästinas beschlossen
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Vor genau 60 Jahren haben die Vereinten Nationen die Teilung Palästinas beschlossen: 44 Prozent des Landes für 1,3 Millionen Araber und 56 Prozent für 600.000 Juden - damit war der Konflikt vorprogrammiert.

Am 29. November 1947 verabschiedete die UN-Vollversammlung die Resolution 181 (II). Sie sah eine Aufteilung des bisherigen britischen Mandatsgebiets Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat vor, und zwar im Verhältnis von 56 zu 44 Prozent. Diese Entscheidung war Auslöser für mehrere Kriege, wenngleich die blutigen Auseinandersetzungen schon Jahre vorher begonnen hatten. Bis heute ist der Konflikt ungelöst, und es ist bemerkenswert, dass die Nahost-Konferenz in Annapolis fast genau mit dem 60. Jahrestag des UN-Teilungsplans zusammenfiel.

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Seit um 1890 die zionistische Vision eines eigenen Staates in Palästina die Juden in der Diaspora erfasst hatte, gab es immer wieder Einwanderungswellen in das Gebiet, das damals noch zum Osmanischen Reich gehörte. Antisemitische Pogrome und Hungersnöte vor allem in Russland begünstigten diese Entwicklung. Während des Ersten Weltkriegs bekundete Großbritannien Unterstützung für die Zionisten. Am 2. November 1917 erklärte der britische Außenminister Lord Arthur James Balfour, sein Land «betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mit Wohlwollen und wird die größten Anstrengungen machen, um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern».

Jüdische Zuwanderung

Im April 1920 wurde Großbritannien von den Siegermächten des Ersten Weltkriegs mit der Verwaltung Palästinas beauftragt, zwei Jahre später bestätigte der Völkerbund das britische Mandat. Es kam zu weiteren Einwanderungswellen, die jedoch nicht mehr so friedlich verliefen wie früher. Die Briten hatten nämlich auch den Vertretern der arabisch-palästinensischen Nationalbewegung einen eigenen Staat versprochen, um sie im Kampf gegen das Osmanische Reich auf ihre Seite zu ziehen.

Mit der wachsenden Zuwanderung von Juden sah die arabische Bevölkerung ihre nationalen Ambitionen jedoch gefährdet. Ein kürzlich ausgestrahlter Fernsehfilm der BBC dokumentierte, wie die Briten jüdischen Immigranten Grund und Boden der Araber zuteilten, ohne die ursprünglichen Besitzer zu konsultieren. Schon damals entbrannte ein Streit um Land, der noch heute den Kernpunkt des Nahost-Konflikts bildet.

Aufteilung Palästinas

Angesichts der Judenverfolgung im nationalsozialistischen Deutschland, die neue Einwanderungen auslöste, spitzte sich die Lage in Palästina zu. Jüdische und arabische Nationalbewegungen bekämpften sich zunehmend gegenseitig, griffen aber auch die britische Mandatsmacht militärisch an. Großbritannien bat die Vereinten Nationen um Vermittlung. Im Mai 1947 tagte der Sonderausschuss UNSCOP (United Nations Special Committee on Palestine), der sich einstimmig dafür aussprach, das britische Mandat in Palästina binnen eines Jahres zu beenden.

Vorgeschlagen wurde die Aufteilung des Mandatsgebiets in einen jüdischen und einen arabischen Staat, die in einer Wirtschaftsunion miteinander verbunden sein sollten. Jerusalem sollte wegen seiner zentralen Bedeutung für alle Religionen als selbständige Einheit von den Vereinten Nationen verwaltet werden. Dieser Teilungsplan wurde am 29. November 1947 mit 33 gegen 13 Stimmen bei zehn Enthaltungen verabschiedet.

Historische Chance vertan

Die Palästinenser lehnten den Plan ab. Sie befürworteten entweder einen gemeinsamen Staat, in dem sie die Mehrheit gestellt hätten, oder aber die Sicherung der wirtschaftlich interessanten Gebiete gemäß ihrem Bevölkerungsanteil. Stattdessen sollten gut 600.000 Juden, die bislang knapp zehn Prozent des Bodens in Palästina besaßen, 56 Prozent des Mandatsgebiets erhalten. 1,3 Millionen Araber, denen fast die Hälfte des Landes gehörte, sollten sich mit 44 Prozent begnügen. Der Konflikt war programmiert.

Dennoch argumentieren viele Historiker, dass die Palästinenser mit ihrer kategorischen Ablehnung des UN-Teilungsplans eine historische Chance verpasst hätten. Sie hätten damals zumindest ihren eigenen Staat gründen können. Ihr völkerrechtlicher Anspruch darauf wird bis heute aus der UN-Resolution 181 (II) abgeleitet - ebenso wie die Legitimation des Staates Israel. Dieser wurde am Ablauftag des britischen Mandats am 14. Mai 1948 ausgerufen. Noch in derselben Nacht marschierten Truppen Ägyptens, Syriens, Transjordaniens, des Iraks und des Libanons in Palästina ein, um die Proklamation des jüdischen Staaten rückgängig zu machen.

Staatsgründung Israels eine «Katastrophe»

Der Unabhängigkeitskrieg endete mit dem Sieg Israels, das rund die Hälfte des Landes eroberte, das den Palästinensern hätte zufallen sollen. Der Rest, im wesentlichen das Gebiet des heutigen Gazastreifens und des Westjordanlands, blieb unter der Herrschaft Ägyptens und Jordaniens, bis es Israel im Sechs-Tage-Krieg von 1967 ebenfalls eroberte.

Die Hoffnungen der Palästinenser auf einen eigenen Staat waren damit auf lange Zeit hinfällig geworden. Zugleich wurden auf israelischem Territorium lebende Araber aus ihren Häusern vertrieben. Die Zahl der palästinensischen Flüchtlinge und deren Nachkommen wird heute auf mehr als drei Millionen geschätzt, ein Großteil lebt immer noch in Flüchtlingssiedlungen.

Für die Palästinenser ist die Staatsgründung Israels als «Nakba» (arabisch: Katastrophe) in die Geschichte und ins kollektive Gedächtnis eingegangen. Bis heute kämpfen sie um ihren eigenen Staat, wobei nur noch die 1967 besetzten Gebiete zur Debatte stehen. Und diese wurden mit dem Bau des israelischen Sperrwalls wegen der Einbeziehung jüdischer Siedlungen noch weiter verkleinert. Weitere ungelöste Kernprobleme sind das Schicksal der palästinensischen Flüchtlinge und der Status von Jerusalem. (Von Annedore Smith/AP)

 
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