Fall Kasparow besorgt Europa
26.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Steinmeier sagte, bei dem Verhalten der russischen Sicherheitskräfte sei die «Verhältnismäßigkeit der Mittel» nicht eingehalten worden. Deutschland bestehe darauf, dass die freie Meinungsäußerung und die freie Berichterstattung in Russland gewährleistet würden. Dies gelte insbesondere vor Wahlen.
Auch EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso äußerte sich besorgt: «Ich bedaure sehr, dass die Behörden es für nötig hielten, so streng vorzugehen», sagte er am Montag in Brüssel. Das Recht auf Meinungsäußerung und Demonstrationen gehöre zu den Grundrechten einer Demokratie. Ein Sprecher der EU-Kommission ergänzte, die Behörde werde «alle Entwicklungen vor den Wahlen in Russland sehr genau beobachten».
Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke (CDU), forderte im Berliner «Tagesspiegel» die Freilassung des früheren Schachweltmeisters und Kremlkritikers Kasparow. Wie Nooke schildert, wird Kasparow «völlig isoliert» in Haft gehalten. Weder Verwandte noch Anwälte hätten bis Sonntagnachmittag Zugang zu dem im berüchtigten Moskauer Gefängnis «Petrowka 38» Einsitzenden bekommen, sagte Nooke nach Gesprächen mit Kasparows Familie. Auch er kritisierte das Verhalten der russischen Behörden scharf: «Man muss davon ausgehen, dass (Russlands Präsident) Wladimir Putin von der geplanten Verhaftung wusste und diese billigt.»
An den Protesten in Moskau und St. Petersburg nahmen erstmals die beiden liberalen Oppositionsparteien SPS und Jabloko gemeinsam teil. Der Menschenrechtler Lew Ponomarew wertete das geeinte Auftreten der verschiedenen oppositionellen Kräfte als einen Fortschritt. Gemäß Umfragen dürften bei der Wahl am Sonntag aber alle prowestlichen Oppositionsparteien deutlich an der Sieben-Prozent-Hürde scheitern. (nz/dpa)

