24.11.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Wahlverlierer Howard mit Frau
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die oppositionelle Arbeitspartei liegt bei der Stimmenauszählung zur Parlamentswahl klar in Führung. Der bisherige Premier Howard bekannte sich bereits zu seiner Niederlage.
Nach der Parlamentswahl in Australien hat Ministerpräsident John Howard seine Niederlage eingestanden. Die Arbeitspartei mit dem 50-jährigen Kevin Rudd an der Spitze gewann die Parlamentswahl vom Samstag deutlich. Der konservative Premierminister John Howard rief Rudd nach Angaben seiner Partei an und gratulierte ihm zum Sieg.
Nach Auszählung von gut 70 Prozent der Stimmen lag die Arbeitspartei bei 53,5 Prozent der Stimmen, die Regierungskoalition bei 46,4 Prozent.
Damit steht Australien vor einem Politikwechsel. Rudd hatte einen Abzug der australischen Soldaten aus dem Irak angekündigt und eine Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz. Howard war der einzige Vertreter eines Industrielands, der das Kyotoprotokoll zusammen mit den USA abgelehnt hat.
Der Regierungswechsel hatte sich in allen Umfragen der letzten Monate abgezeichnet. Die Wähler wollten nach elf Jahren mit Howard als Regierungschef ein neues Gesicht an der Spitze. Der 68-Jährige galt bis zuletzt als äußerst erfolgreich: Die Wirtschaft boomt, und die Haushaltseinkommen haben sich in zehn Jahren verdoppelt. Innenpolitisch hat Rudd eine weitgehende Fortsetzung von Howards Politik angekündigt. Er kündigte seinen Rückzug aus der Politik an. Neben dem Verlust des Amtes drohte Howard auch eine Niederlage in seinem eigenen Wahlkreis, den er seit 1974 im Parlament vertritt. Dort lag die Labor-Kandidatin, eine frühere Fernsehmoderatorin, vorn.
Mit den alten Werten seiner tief in der Gewerkschaftstradition stehenden Laborpartei hat Wahlsieger Rudd, der auf dem diplomatischem Parkett zu Hause ist, nichts zu tun. Klassik statt Klassenkampf - Vivaldi liegt ihm näher als die Internationale.
Angetrunken im Striptease-ClubAuch mit den oberen Zehntausend hat der blonde Brillenträger kein Problem: seine Frau Therese ist Millionärin. Sie wurde reich mit einem Unternehmen, das Jobs für Langzeitarbeitslose findet. Mit ihr ist er nun 26 Jahren verheiratet und hat drei Kinder.
Rudd fühlt sich sichtlich wohl auf großer Bühne, wie im September beim Gipfel der Pazifikanrainer APEC im Sydney. Erfahrungen sammelte er dafür in den 80er Jahren in Diensten des Außenministeriums in Peking. Diplomatisch zeigte er sich auch im Wahlkampf: als Meister unverbindlicher Freundlichkeiten.
Als Politiker zum Anfassen gilt er nicht und zeigt sich recht steif beim Bad in der Menge. Lange galt der überzeugte Christ, der nie geraucht hat und von dem keine Affären bekannt wurden, als farblos und uncharismatisch. «Er ist kein australischer Clinton», meinte ein Kommentator. Bis dann im Sommer bekannt wurde, dass Rudd bei einem New York-Besuch vor ein paar Jahren angetrunken in einem Striptease-Club landete. Auf dem Saubermann-Image von Rudd empfanden das die meisten Australier als sympathischen Farbtupfer. (AP/dpa)