netzeitung.deMusharraf kündigt Rücktritt als Armeechef an

 Herausgeber: netzeitung.de

Prominenter Oppositionspolitiker Imran Khan (l.) wird bei Protesten gegen Musharraf festgenommen. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Prominenter Oppositionspolitiker Imran Khan (l.) wird bei Protesten gegen Musharraf festgenommen.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Pakistans Staatschef Musharraf hat erneut seinen Rücktritt als Militärmachthaber in Aussicht gestellt. Unterdessen nahm die Polizei den prominenten Oppositionellen Imran Khan fest.

Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf hat am Mittwoch seinen Rücktritt als Armeechef bis Ende des Monats in Aussicht gestellt. Er wolle seine nächste Amtszeit als Zivilperson antreten, sagte Musharraf am Mittwoch in Rawalpindi.

Die unter Hausarrest stehende Oppositionsführerin Benazir Bhutto hatte Musharraf zuvor aufgefordert nicht nur als Armeechef, sondern auch als Staatspräsident zurückzutreten. Musharraf hatte dies zurückgewiesen: «Ich werde an dem Tag zurücktreten, an dem keine Unruhe mehr in Pakistan herrscht.«

Unterdessen wurde der prominente Oppositionspolitiker und Kricketspieler Imran Khan bei Protesten gegen Musharraf auf einem Universitätsgelände in Lahore festgenommen. Der Chef der Partei Tehrik-i-Insaf (Bewegung für Gerechtigkeit) sei von Beamten in Zivil bei einer Studentendemonstration abgeführt worden, berichteten Augenzeugen. Dort hätten sich mehr als 400 Studenten versammelt und «Geh, Musharraf, geh» skandiert.

Die Festnahme wurde von einem Regierungssprecher bestätigt: Khan werde auf Grundlage der Anti-Terror-Gesetze angeklagt. Khan war untergetaucht, nachdem Musharraf am 3. November den Ausnahmezustand verhängt hatte. In der ostpakistanischen Stadt Lahore wagte er sich bei der Demonstration nun erstmals wieder an die Öffentlichkeit. Aus seinem Versteck heraus hatte er Studenten aufgerufen, sich gegen «die Militärdiktatur von General Musharraf» zu erheben. Mehrere hundert Rechtsanwälte, Journalisten und weitere Anhänger der Opposition demonstrierten am Mittwoch erneut an verschiedenen Orten des Landes.
Ende des Notstandes noch offen
Musharraf verteidigte in der französischen Zeitung «Le Monde» den Ausnahmezustand: Dieser sei notwendig, um die Nation vor der Bedrohung durch den Terror zu bewahren und die für Januar geplanten Wahlen vorzubereiten. Wann er den Notstand aufheben werde, sagte er nicht.

Die festgenommenen Politiker würden frei gelassen und dürften sich «vollständig an den Wahlen beteiligen», zitierte ihn die Zeitung. Er schränkte allerdings ein: «Wenn sie aufwiegeln und die Regeln verletzten, müssen wir gegen sie vorgehen.» Der Hausarrest gegen die frühere Ministerpräsidentin Bhutto sei verhängt worden, weil Selbstmordattentäter Anschläge auf sie planten.

Bhutto versucht derzeit, eine Allianz mit Exministerpräsident Nawas Sharif zu schmieden, der 1999 von Musharraf gestürzt worden war und im Exil lebt. In dem Interview schloss der Präsident eine Rückkehr Sharifs vor den Wahlen aus. (nz/dpa/AP)