netzeitung.deLondons Polizei wegen Todesschüssen verurteilt

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London nach den Anschlägen von 2005 (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe London nach den Anschlägen von 2005
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Polizisten hatten den Brasilianer Jean Charles de Menezes mit dem Attentäter Hussein Osman verwechselt und schossen. Zu schnell, wie sich später herausstellte.

Mehr als zwei Jahre nach den dramatischen Todesschüssen auf einen unschuldigen Terrorverdächtigen hat eine Geschworenenjury die gesamte Londoner Polizei wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit schuldig gesprochen. Die damals beteiligten Polizeibeamten hätten Gesundheits- und Sicherheitsverordnungen verletzt und damit das Leben unbeteiligter Zivilpersonen in Gefahr gebracht, befand die Jury am Obersten Kriminalgericht Englands.

Die Polizisten hatten den Brasilianer Jean Charles de Menezes damals mit dem Attentäter Hussein Osman verwechselt, als sie ihn am 22. Juli 2005 in der U- Bahn-Station Stockwell mit sieben Kopfschüssen niederstreckten.. Osman hatte später mit drei anderen Terroristen wegen versuchter Bombenanschläge in der Londoner U-Bahn am 21. Juli 2005 eine lebenslange Haftstrafe erhalten. Sie hatten die Anschläge vom 7. Juli nachahmen wollen, bei denen vier Selbstmordattentäter in London mit Rucksackbomben 52 Menschen töteten.

Ein Richter erlegte der Londoner Polizei dafür eine Strafe von 175.000 Pfund auf sowie die Bezahlung der Gerichtskosten in Höhe von 385.000 Pfund - insgesamt umgerechnet 806.000 Euro. Einzelnen Polizisten wiesen sie keine individuelle Schuld an dem chaotischen Vorgehen bei der Verfolgung und Erschießung de Menezes zu.

Tragischer Tod
Angehörige von de Menezes kritisierten den Ausgang des Verfahrens. «Wir fordern eine vollständige und unabhängige Untersuchung und die Bestrafung der Verantwortlichen», sagte Familiensprecher Erionaldo da Silva.

Scotland-Yard-Chef Ian Blair betonte sein «tiefes Bedauern» über den «tragischen Tod». Scotland Yard werde sein Vorgehen bei der Verfolgung von Terrorverdächtigen überprüfen, um Gefährdungen von Unschuldigen so weitgehend wie möglich auszuschließen. Politiker der Opposition forderten nach dem Schuldspruch Blairs Rücktritt. Der Polizeichef lehnte dies ab. Innenministerin Jacqui Smith sprach ihm ihr Vertrauen aus.

Bereits im August war in einer Untersuchung kritisiert worden, der 27-Jährige Brasilianer habe keinerlei Chance gehabt, seine Unschuld zu zeigen, bevor die Polizisten in der U- Bahn-Station Stockwell sieben Schüsse in seinen Kopf feuerten. Staatsanwälte hatten im jetzigen Verfahren geltend gemacht, dass die Planung und Ausführung der Anti-Terroraktion durch zahlreiche «schockierende und katastrophale» Fehler beeinträchtigt war. (nz/dpa)