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Völkermord auf Raten in Birma

04. Okt 2007 13:49
Kindersoldat der Rebellen-Bewegung Nationalunion der Karen (KNU)
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Brandanschläge und Massen-Vergewaltigungen: Das Militär in Birma verfolgt ethnische Minderheiten seit Jahrzehnten mit größter Brutalität.

Seit Jahrzehnten kämpfen die birmanischen Militärherrscher mit größter Brutalität gegen ethnische Minderheiten. Tausende Todesopfer wurden dabei von den Generälen in Kauf genommen, bis zu zwei Millionen Menschen sollen bereits aus dem Land geflohen sein.

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Während sich die internationale Aufmerksamkeit auf die Niederschlagung der Proteste in den Städten konzentriert, wird der Kampf gegen die aufständischen Minderheiten von Menschenrechtsorganisationen als Völkermord auf Raten bezeichnet. Am schwersten sind die Minderheiten entlang der 1300 Kilometer langen Grenze zu Thailand betroffen: Die Karen und Shan wurden von den Soldaten der Junta immer wieder mit schwersten Waffen angegriffen, Frauen wurden massenweise vergewaltigt und ihre Bambus-Hütten-Dörfer abgebrannt.

Die Hilfsorganisation Grenzkonsortium Thailand Birma, die zehntausende Flüchtlinge versorgt, schätzt, dass allein 2006 insgesamt 82.000 Menschen vor der Gewalt aus ihren Dörfern flüchteten. Seit 1996 wurden mehr als eine Million Menschen vertrieben. Andere Schätzungen gehen von rund zwei Millionen birmanischen Flüchtlingen in Thailand aus. Nahezu ein Drittel der 54 Millionen Einwohner des südostasiatischen Landes gehört einer ethnischen Minderheit an. An der Grenze zu Thailand sollen zwischen dreieinhalb und sieben Millionen Karen leben, zwei Millionen Mon und rund fünf Millionen Shan. Der letzte offizielle Mikrozensus ist allerdings bereits 70 Jahre her.

Die ethnisch den Thailändern nahestehenden, mehrheitlich buddhistischen Minderheiten, eint der Wunsch nach mehr Autonomie und die Ablehnung der Militärdiktatur. «Die Menschen haben entschieden, nie aufzugeben», erklärte der Generalsekretär der Nationalunion der Karen (KNU), Mahn Sha, diese Woche den Kampf der Karen seit 1947. «Viele, viele tausend sind in den 60 Jahren gestorben.»

Ethnien solidarisch mit Demonstranten

Die aufständischen Minderheiten bekundeten in diesen Tagen ihre Solidarität mit den Protestierenden in den großen Städten. «Wir müssen mit den Mon, anderen Gruppen und den Studenten zusammenarbeiten, um die Junta zu bekämpfen. Wir haben einen gemeinsamen Feind und gemeinsame Ziele», sagte Mahn Sha. Das müssen die Generäle an ihrem abgeschotteten Regierungssitz Naypyidaw mitten im Dschungel fürchten.

Bereits nach der blutigen Niederschlagung des Aufstandes der Demokratiebewegung 1988, bei dem Tausende getötet wurden, flohen viele Widerständler in die hügelige Grenzregion und schlossen sich dort den Kämpfern der ethnischen Minderheiten an. Die Generäle greifen deswegen mit aller Härte durch. Sie betrachten die Aufständischen als «Terroristen», die die Sicherheit und die Einheit des Landes gefährden. Das sei der Anfang vom Ende für die Diktatoren, erklärte Mahn Sha. Selbst wenn die Proteste erstickt würden, gehe die Junta geschwächt aus der Auseinandersetzung hervor.

Sylvester Stallone schockiert

Der Hollywood-Star Sylvester Stallone, der gerade einen neuen «Rambo»-Film am thailändisch-birmanischen Grenzfluss Salween drehte, wurde Zeuge der Grausamkeiten. Er sprach von einem «Völkermord in vollem Ausmaß». Sein Team sei angesichts der schrecklichen Zustände schockiert gewesen. «Ich bin Zeuge der Folgen geworden - Überlebende mit abgeschnittenen Beinen, durch Landminen ausgelöste Verletzungen, von Maden befallene Wunden und abgeschnittene Ohren», erklärte der Schauspieler der Nachrichtenagentur AP in Los Angeles.

Hilfsorganisationen gehen davon aus, dass im Grenzgebiet rund zwei Millionen Landminen vergraben sind. Die Karen-Frauenorganisation, die an der an der thailändisch-birmanischen Grenze arbeitet, hatte im Februar in Bangkok einen ausführlichen Bericht zu den Grausamkeiten der Regierungstruppen vorgelegt.

Vergewaltigungen, Folter, Mord und Zwangsarbeit sind demnach der grausame Alltag dieses von der Weltöffentlichkeit kaum beachteten Kampfes. «Vergewaltigung wurde und wird weiterhin als Foltermethode zur Einschüchterung und Erniedrigung der Zivilbevölkerung genutzt», hieß es in dem Bericht. (Mick Elmore, AP)

 
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