29.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Hamid Karsai
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Ernst gemeint war das Angebot für eine Regierungsbeteiligung der Taliban durch Afghanistans Präsident Karsai wohl ohnehin nicht. Im Land regiert weiter die Gewalt.
Der afghanische Präsident Hamid Karsai hat sich zu persönlichen Verhandlungen mit den Taliban bereit erklärt und den Aufständischen bei Gewaltverzicht eine Regierungsbeteiligung in Aussicht gestellt. «Kommt und nehmt teil an den Wahlen (im Jahr 2009), wenn die Menschen euch wählen und ihr Regierungsmacht wollt, seid ihr willkommen», sagte Karsai am Samstag in Kabul. Der Präsident betonte, ein Abzug ausländischer Truppen komme nicht in Frage. Die radikalislamischen Taliban lehnten das Angebot am Sonntag ab. Bei einem der bislang blutigsten Selbstmordanschläge der Taliban in der Hauptstadt Kabul starben am Samstag mindestens 27 Menschen.
Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi sagte zu Karsais Verhandlungsangebot: «Solange es der afghanischen Regierung an eigener Autorität und Planung mangelt und solange ausländische Truppen in Afghanistan sind, sind wir zu Gesprächen nicht bereit.» Die Bedingungen der Aufständischen seien klar. Karsai betonte, wer den Abzug von Truppen fordere, betreibe das Geschäft der Feinde Afghanistans. Solange die afghanischen Sicherheitskräfte nicht ausgebildet seien und die Infrastruktur des Landes nicht wiederaufgebaut sei, «lassen wir sie nicht abziehen».
Karsai würde selber gehenWürde er den Aufenthaltsort von Taliban-Chef Mullah Omar oder Rebellenführer Gulbuddin Hekmatjar kennen, «würde ich selber zu ihnen gehen», sagte Karsai. «Ich würde sie fragen, warum zerstört ihr dieses Land? Was wollt ihr in diesem Land? Wollt ihr Regierungsmacht und Einfluss? Die Zeiten sind vorbei, als Macht durch Staatsstreiche und Gewalt erobert wurde.»
Karsai betonte erneut, Grundlage für Gespräche müsse die Verfassung und Gewaltverzicht sein. Sollte eine der vielen Taliban-Gruppen sagen, sie würde die Waffen niederlegen und im Gegenzug an einem Ministerium oder einer Behörde beteiligt werden wollen, würde er ihr diesen Posten geben. «Solange ich auch nur das Leben eines Afghanen so retten könnte, würde ich das tun.»
Bus in Stücke gerissenKurz vor Karsais neuerlichem Gesprächsangebot an die Taliban war die Hauptstadt von einem schweren Selbstmordanschlag mit mindestens 27 Toten erschüttert worden. Die meisten der Opfer waren Soldaten. Fast 30 weitere Menschen seien verletzt worden, teilte das Verteidigungsministerium mit. Ein Mann in Militäruniform habe sich einem Militärbus genähert und dann in die Luft gesprengt. Die Explosion in einem Marktviertel riss den Bus in Stücke. Auch mehrere umliegende Gebäude, darunter ein Kino, wurden beschädigt. Anwohner sprachen von einer gewaltigen Explosion, die in weiten Teilen Kabuls zu spüren war. Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban.
Karsai sagte zu dem Anschlag, diejenigen, die regelmäßig an der Zerstörung Afghanistans mitwirkten, seien keine Afghanen. «Ein Afghane tötet nicht 30 Menschen während des heiligen Fastenmonats Ramadan.» Die Europäische Union kündigte an, trotz der jüngsten Anschläge ihre Aufbauhilfe in Afghanistan zu verstärken. Nach einem Treffen der EU-Verteidigungsminister sagte EU-Chefdiplomat Javier Solana, die Anstrengungen dürften nicht nachlassen.
Entführte Rotkreuzler wieder freiDie Entführung von vier Mitarbeitern des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Zentralafghanistan ging am Samstag unblutig zu Ende. Der Mazedonier, der Birmane und die beiden Afghanen wurden drei Tage nach ihrer Verschleppung von den Taliban freigelassen. Die Männer seien wohlauf, wie das IKRK in Genf bestätigte. Die Taliban bezeichneten die Entführung als «Missverständnis». Die Helfer waren am Mittwochabend nach der gescheiterten Übergabe der deutschen Geisel Rudolf B. von Taliban-Kämpfern verschleppt worden. Der 62-jährige deutsche Bauingenieur ist weiter in Geiselhaft. (dpa)