28.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
In China funktioniert das Internet. Die Birmaner sind jetzt vom Web abgeschnitten
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Blogs und private E-Mais sind derzeit wichtige Kanäle, um Informationen aus Birma zu erhalten. Das Militärregime kappte nun Leitungen und Telefone. Selbst ein UN-Gesandter wird behindert. Bilderschau: Massenprotest in Birma
Parallel zu den konventionellen Medien versorgten bisher vor allem auch Blogger die Welt mit aktueller Information aus dem Konfliktland Birma. Mails sowie über das Internet verschickte Fotos und Videofilme von Privatpersonen waren in den vergangenen Tagen wichtige Informationsquellen zu den Protestaktionen. Oft greifen große Nachrichtensender die Laien-Aufnahmen auf und verbreiten sie weiter.
Die Militärregierung in Birma hat das Internet nun als Feind erkannt und landesweit den Zugang zu dem Datennetz gekappt. Als offiziellen Grund gab die staatliche Telekomgesellschaft den Bruch eines unterseeischen Kabels an. Internet-Cafes blieben am Freitag geschlossen. Schon seit Beginn der Proteste vor wenigen Wochen hatte das Regime Webseiten gebblockt, auf denen kritische Informationen publiziert waren. Handys prominenter Unterstützer der Demokratiebewegung ließ die Regierung sperren.
Birmanische Journalisten, die für staatliche oder private Medien arbeiten, werden seit 1962 von einem Zensurbüro streng überwacht, wie die Menschenrechtsorganisation «Reporter ohne Grenzen» erfuhr. Schlechter ist die Situation nur noch in Kuba, Eritrea, Turkmenistan und Nordkorea. Zudem erhielt seit August kein ausländischer Journalist ein Visum. Nur wenige ausländische Journalisten schafften es, mit Touristen-Visa in Birma zu arbeiten.
Abhörzentren eröffnetEs gibt keine privaten TV- oder Radiosender in Birma. Von Privatunternehmen verlegt werden nur Printmedien. Zurzeit existieren etwa 100 private Presse-Publikationen. Unabhängig verbreitete Informationen erhalten die Birmaner über birmanische Programme von Sendern wie der BBC oder Radio France International sowie Auslandssender, die Exil-Birmaner betreiben.
In diesem Jahr hat die Militärregierung die Medien-Überwachung noch verschärft. Die Führung schulte sie Zivilisten, um «Informanten» für ausländische Medien zu identifizieren. Zwei neue Abhörzentren in Mandalay im Zentrum von Birma ermöglichen es der Regierung, Telefonate abzuhören.
Kreuzungen und Klöster als SperrzonenDie Nutzung des Internet als Informationskanal ist einer der Hauptunterschiede zu den Unruhen von 1988. Damals starben tausende Menschen, die Berichte darüber brauchten allerdings tage, um weltweit bekannt zu werden. Heute kann die Welt die Ereignisse fast in Echtzeit verfolgen, weil mutige Augenzeugen die Ereignisse etwa mit ihren Handys aufzeichnen.
Parallel zur Cyber-Blockade riegelte die Militärregierung am Freitag auch wichtige Kreuzungen in der Nähe von Klöstern in Rangun und Mandalay mit Stacheldraht ab. Zudem erklärte sie fünf buddhistische Klöster zu Sperrzonen. In Rangun versammelten sich erneut mehrere Hundert Demonstranten.
Am Mittwoch und Donnerstag waren nach Regierungsangaben insgesamt mindestens zehn Menschen bei Gewaltakten gestorben, darunter auch ein japanischer Fotojournalist. Die USA verhängten neue Wirtschaftssanktionen. Die Gemeinschaft der Asean-Staaten verlangten von der Regierung eine Lösung der Krise. Der von der Uno geschickte Sondergesandte Ibrahim Gambari kam nicht in Birma an, weil das Regime das Fehlen eines entsprechenden Visums monierte. (nz/dpa/AP)