netzeitung.deMoskau soll Karadzic zur Flucht verholfen haben

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Karadzic (r) und sein Militärchef Mladic (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Karadzic (r) und sein Militärchef Mladic
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Die ehemalige Sprecherin der Haager Chefanklägern del Ponte hat Russland schwer belastet: Die Regierung habe 1997 die Festnahme des bosnischen Serbenführers Karadzic verhindert.

Russland hat nach Angaben einer ehemaligen Mitarbeiterin des UN-Kriegsverbrecher-Tribunals in Den Haag den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic 1997 vor einer Festnahme bewahrt.

Wie die damalige Sprecherin des Tribunals, Florence Hartmann, in ihren in Frankreich veröffentlichten Memoiren schreibt, schlug ein französischer Versuch zur Festnahme Karadzics fehl, weil US-Präsident Bill Clinton zuerst die russische Regierung informieren wollte.

Moskau habe dann verhindert, dass der Westen Karadzic fassen konnte, sagte Hartmann, die sechs Jahre lang Sprecherin von Chefanklägerin Carla del Ponte war. Rückhalt habe Clinton von Großbritannien und Deutschland bekommen.

Karadzic und der frühere bosnische Serbengeneral Ratko Mladic sollen sich wegen Völkermordes vor dem Tribunal verantworten. Trotz des Drucks von del Ponte wurden bislang nicht festgenommen.

Laut Hartmann hatte Russland Karadzic im November 1997 vorübergehend in die Ukraine gebracht, als Nato-Truppen Bosnien nach den Flüchtigen durchsuchte. Der damalige französische Staatschef Jacques Chirac habe del Ponte damals von der Drohung des russischen Präsidenten Boris Jeltsin berichtet, notfalls ein Flugzeug nach Bosnien zu schicken, um Karadzic außer Landes zu schaffen. Eine Festnahme hätte Jeltsin niemals zugelassen, hieß es.

Chirac drang demnach auch deshalb auf die Festnahme Karadzics, weil 1995 zwei französische Piloten in die Hände der bosnischen Serben gefallen waren. Clinton nahm zu den Angaben Hartmanns bisher nicht Stellung, wie die britische BBC berichtete. (nz)