Zwei Drittel aller Analphabeten sind weiblich
07.09.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Als Haupthindernisse gelten Schulgebühren und die schlechte Qualität des Unterrichts. Eine entscheidende Rolle spiele auch die Schulbildung der Mütter, erklärte das Kinderhilfswerk: Drei Viertel der Kinder, die nicht zur Schule gingen, hätten Mütter, die selbst keine Schulbildung bekommen hätten.
Groß ist das Bildungsgefälle zwischen Jungen und Mädchen demnach in den afrikanischen Ländern Niger, Tschad, Burkina Faso sowie dem Jemen, Afghanistan und Pakistan. Auf 100 Jungen, die zur Schule gehen, kämen im Jemen gerade einmal 61 Mädchen, erklärte das Kinderhilfswerk. In Niger liegt dieses Verhältnis bei 100 zu 67, in Pakistan gingen pro 100 Jungen etwa 83 Mädchen zur Schule.
Die meisten Mädchen ohne Schuldbildung wachsen jedoch in Südasien auf: Hier besuchen nach Angaben von Unicef mehr als 23 Millionen Mädchen im Grundschulalter keine Schule, rund fünf Millionen mehr als bei den Jungen.
Dabei zahle sich gerade die Ausbildung von Mädchen doppelt aus, betonte Heide Simonis, Vorsitzende von Unicef Deutschland. «Selbstbewusste Mädchen, die zur Schule gehen, können sich eher aus Abhängigkeit und Unterdrückung befreien», sagte sie. «Und sie tragen entscheidend zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung ihres Landes bei.»
Zugleich sei Bildung das beste Verhütungsmittel, weil Frauen mit Schulbildung später heirateten, später ihr erstes Kind bekämen und auch insgesamt weniger Kinder hätten. Außerdem setzten gebildete Frauen in der Regel alles daran, ihre Kinder ebenfalls zur Schule zu schicken. Auch von Aids seien gebildete Mädchen weniger bedroht, weil sie leichteren Zugang zu Informationen über die Immunschwächekrankheit hätten und selbstbewusster über ihr Sexualleben bestimmen könnten.
Im Rahmen der Kampagne «Schulen für Afrika» wurden Unicef zufolge in den vergangenen drei Jahren allein mit Spenden aus Deutschland mehr als 350 Schulen gebaut oder repariert und zehntausende Lehrer in Ausbildungskursen geschult. Bis 2015 sollen laut den Millenniumszielen weltweit alle Mädchen und Jungen mindestens eine Grundschule besuchen. (AP)

