13.08.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Schwere Kämpfe in Somalias Hauptstadt Mogadischu (Archivbild)
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Human Rights Watch erhebt gegen beide Seiten in Somalia schwere Vorwürfe: Während Rebellen Zivilisten als Schutzschilder missbrauchten, bombardierten Regierungstruppen ganze Wohnviertel.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat den Konfliktparteien in Somalia «zügellose Kriegsverbrechen» vorgeworfen. Die Truppen der somalisch-äthiopischen Allianz ebenso wie die islamistischen Aufständischen seien verantwortlich für «massives Leiden der Zivilbevölkerung», teilte Human Rights Watch (HRW) am Montag in Nairobi mit. Die äthiopische Armee bombardiere Wohnviertel, während Regierungsgegner Zivilisten als Schutzschilder missbrauchten.
Zudem hätten Rebellen unter anderem Zivilbeamte der somalischen Übergangsregierung gezielt getötet. Den äthiopischen Truppen warf HRW vor, Krankenhäuser geplündert und Zivilisten absichtlich getötet zu haben. Die somalischen Soldaten wiederum hätten Gefangene misshandelt und es versäumt, die Bewohner in umkämpften Gebieten zu warnen.
Hunderttausende auf der FluchtHRW veröffentlichte eine Untersuchung der Gefechte im März und April in der Hauptstadt Mogadischu, bei denen hunderte Menschen ums Leben kamen und etwa 400.000 in die Flucht getrieben wurden. Auch seitdem seien die Rechte der Zivilbevölkerung immer wieder verletzt worden, sagte HRW- Geschäftsführer Ken Roth.
In Somalia herrschen seit 16 Jahren Chaos und Anarchie. Seit Monaten gehen äthiopische Streitkräfte zusammen mit Soldaten der Übergangsregierung gegen verbliebene Kämpfer der islamischen Milizen vor, die im vergangenen Jahr einen Großteil des Landes unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Eine Friedensmission der Afrikanischen Union ist noch immer nicht einsatzfähig. Die Vereinten Nationen ziehen eine Friedensmission in Erwägung.
Die Menschenrechtsorganisation forderte, diese Mission mit einem starken Mandat zum Schutz der Zivilbevölkerung auszurüsten. «Die Gleichgültigkeit des UN-Sicherheitsrats hat zu der Tragödie noch weiter beigetragen», sagte Roth. (dpa)