28. Jul 2007 14:11, ergänzt 16:09
Mit Hunden, Stromstößen und Schlafentzug traktiert: Die von Libyen frei gelassenen bulgarischen Krankenschwestern berichten von schlimmen Haftbedingungen.
Sprechen durften sie das erste Jahr allerdings nicht miteinander, auch nicht mit den Diplomaten, die kamen. «Immer die Zähne zusammenbeißen, schweigen, alles hinnehmen», sagte die Krankenschwester während des Gespräches in ihrem Heimatdorf Litakowo. Anders als ihre Mitgefangenen legte Dimitrowa unter der Folter kein Geständnis ab: «Lieber sterbe ich mit reinem Gewissen und Ehre vor meinen Kindern als etwas zu gestehen, was ich nicht getan habe. Das bricht einem doch das Rückgrat», sagte sie, äußerte aber zugleich Verständnis für die anderen.Der Arzt Al Hasus, der mittlerweile die bulgarische Staatsbürgerschaft hat, sagte im niederländischen Fernsehen, er sei unter Drogen gesetzt und mit Elektroschocks an Füßen und den Genitalien gefoltert worden. Er sei gezwungen worden, eine Erklärung zu unterschreiben, wonach er in der Gefangenschaft gut behandelt worden sei, sagte der 39-Jährige.
Die ursprünglich zum Tode Verurteilten waren beschuldigt worden, mehr als 400 libysche Kinder vorsätzlich mit dem HI-Virus angesteckt zu haben. Aids-Experten sehen dagegen Hygiene-Mängel als Auslöser. Die Angeklagten hatten schon während der Haft erklärt, ihnen seien Geständnisse mit Folter abgepresst worden. Sie waren seit 1999 inhaftiert.
Die sechs wurden vorigen Dienstag freigelassen, nachdem die libyschen Behörden die Todesstrafe in lebenslange Haft umgewandelt hatten. Nach ihrer Ankunft in Sofia wurden sie vom bulgarischen Staatspräsidenten Georgi Parwanow begnadigt. (nz)