24. Jul 2007 11:24, ergänzt 14:20
In Afghanistan wird mit den Entführern eines deutschen Ingenieurs über dessen Freilassung verhandelt. Die Gespräche gestalten sich schwierig, zumal die Taliban bedenkliche Informationen streuen.
Dessen ungeachtet bemüht sich die Bundesregierung weiter um die Freilassung des Bauingenieurs, der zusammen mit dem verstorbenen Deutschen entführt wurde. Die Verhandlungen dauerten an, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier in Berlin. Die radikal-islamischen Taliban konkretisierten unterdessen ihre Forderungen an die Bundesregierung. «Wir verlangen die Freilassung von zehn Taliban oder den Abzug der deutschen Truppen», sagte Talibansprecher Kari Mohammad Jusuf am Dienstag. Bislang hatte seine Gruppierung auf Freilassung der Gesinnungsgenossen und dem Rückzug der Bundeswehr bestanden. Jusuf sagte weiter, die Taliban hätten kein Ultimatum für die Freilassung der deutschen Geisel gestellt. Bislang habe wegen des Mannes niemand Kontakt zu den Taliban aufgenommen.
Entgegen den Äußerungen Jusufs berichtete die ARD, es habe am Sonntag einen telefonischen Kontakt zu der deutschen Geisel gegeben. Der Mann sei herzkrank, und die deutsche Botschaft in Kabul habe versucht, ihm Medikamente zukommen zu lassen. Ob die Arzneimittel angekommen seien, wisse die deutsche Seite nicht.
Der Leichnam des anderen Mannes wird nach Angaben des Auswärtigen Amtes erst morgen von Kabul aus nach Deutschland geflogen. Der Obduktions-Termin ist für Donnerstag angesetzt. Nähere Einzelheiten wurden nicht genannt. Keine Stellungnahme gab es auch zu einem ARD-Bericht, wonach Tornado-Flugzeuge der Bundeswehr dazu beigetragen haben sollen, die Geiseln zu lokalisieren. Der Krisenstab stehe in engem Kontakt mit der afghanischen Regierung, hieß es lediglich.
Vor dem Hintergrund der jüngsten Entführungsfälle in Afghanistan kommt Bundeskanzlerin Angela Merkel an diesem Dienstag in Berlin mit dem UN-Sonderbeauftragten Tom Koenigs zusammen. Sie wollen über die aktuelle Lage sowie über Fortschritte beim Wiederaufbau beraten. Merkel hatte am Wochenende klargestellt, dass die Bundeswehr sich nicht aus Afghanistan zurückziehen wird.
Der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sprach sich sogar für die Entsendung zusätzlicher Soldaten aus - und er regte an, die Deutschen in den besonders umkämpften Süden des Landes zu schicken. Das wiederum lehnt das unionsgeführte Verteidigungsministerium strikt ab. (nz/dpa/Reuters)