09.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Tony Blair hatte sein Kabinett gegen sich, als er sich für den Irak-Einsatz entschied.
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Mehrere Regierungsmitglieder hatten ihn vor diesem Schritt gewarnt. Dennoch beschloss Tony Blair, am Irak-Krieg teilzunehmen. Das schreibt sein damaliger Sprecher in einem Buch über die «Blair Years».
Der frühere britische Premierminister Tony Blair stand mit seiner Entscheidung, sich am Irak-Krieg zu beteiligen, in seinem Kabinett offenbar allein: Bei der entscheidenden Sitzung der Regierung im März 2003 sei Blair von mehreren Regierungsmitgliedern vor diesem Schritt gewarnt worden, schreibt Blairs damaliger Sprecher Alastair Campbell in seinem Buch «The Blair Years», das am Montag erschienen ist.
Demnach setzte Blair die Beteiligung Großbritanniens am Irak-Krieg trotz erheblicher Vorbehalte seiner engsten Vertrauten durch. «Jeder von uns hatte beträchtliche Zweifel, nur er nicht, oder wenn er sie hatte, dann hat er sie vor uns versteckt», schrieb Campbell.
Prophetisch habe in der Kabinettsrunde der damalige Labour- Fraktionschef und spätere Verteidigungsminister John Reid erklärt: «Man wird uns danach beurteilen, wie es in dem Irak sein wird, der auf den Irak von Saddam Hussein folgt, und danach, wie es dann im Nahen Osten aussieht.»
Ansehen nahm großen SchadenIn einem Interview der BBC zu seiner Buchveröffentlichung sagte Campbell, Blair sei überzeugt gewesen, «das Richtige zu tun». Die Entscheidung für oder gegen eine Kriegsteilnahme an der Seite von US- Präsident George W. Bush sei «eindeutig die schwierigste seines Lebens gewesen» und zugleich «eine, mit der er bis zum Ende seiner Tage leben muss».
Blair war am 27. Juni nach Monate langen Auseinandersetzungen innerhalb der regierenden Labour-Partei zurückgetreten. Blairs Ansehen als Politiker hatte durch den Irak-Krieg laut Meinungsumfragen derart großen Schaden genommen, dass seine Partei mit ihm an der Spitze voraussichtlich keine Wahl mehr gewonnen hätte. Sein Nachfolger, der frühere Finanzminister Gordon Brown, soll dem Irak-Krieg seinerzeit nur zögerlich zugestimmt haben. Bislang sind im Irak 158 britische Soldaten umgekommen. (dpa)