Flüchtlingsstrom bringt Malta in Bedrängnis
05.07.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Bereits im vergangenen Monat hatte Malta verlangt, dass die afrikanischen Bootsflüchtlinge auf die gesamte EU verteilt werden, und große EU-Länder wie Deutschland dabei mehr Verantwortung übernehmen müssten. Der Vorstoß wurde von Deutschland und anderen EU-Staaten zurückgewiesen. Malta hofft nun auf Portugal, das Land übernahm am 1. Juli turnusmäßig die EU-Ratspräsidentschaft. «Es gibt absolut keine Entschuldigung für niemanden, sich zu weigern, zu Lösungen für unser Konzept der Lastenverteilung beizusteuern».
Allein in den vergangenen Tagen hat die tunesische Küstenwache die Leichen von mindestens 20 Bootsflüchtlingen aus Ländern südlich der Sahara geborgen. Die Männer und Frauen wurden auf dem Friedhof der Stadt Ben Guerdane beigesetzt, wie die Tageszeitung «Achourouk» am Mittwoch berichtete.
Der maltesische Innenminister Tonio Borg hatte vor wenigen Wochen die Tatenlosigkeit Europas angeprangert: Jährlich kämen 600 Einwanderer vor den Küsten Tunesiens, Libyens, der Inseln Lampedusa, Sizilien und Malta ums Leben. Ich finde es unglaublich, dass wir vor den Toren Europas eine so tragische Situation erleben und nicht genug dagegen getan wird. Doch auch der neuerliche Vorstoß Maltas nach einer fairen Lastenverteilung in der EU dürfe kaum Chancen auf Verwirklichung haben. Selbst Spanien und Italien, die ebenfalls von der steigenden Zahl afrikanischer Flüchtlinge betroffen sind, halten sich zurück. Eine großzügige Verteilung auf die gesamte EU würde nur noch mehr illegale Flüchtlinge anlocken, heißt es. (nz)

