25. Jun 2007 16:37
Mit seinem schauspielerischen Talent begeisterte er als jüngster Premier in der Geschichte der Labour-Partei die Menschen. Doch mit der Beteiligung am Irak-Krieg verlor Tony Blair viele Sympathien.
Doch spätestens nach der Entscheidung, britische Truppen in den Irak zu schicken, verlor der Supermann seine Strahlkraft. Trotz großer Widerstände im eigenen Land, beschloss er nach den Terroranschlägen vom 11. September, «Schulter an Schulter» mit US- Präsident George W. Bush zu stehen. Dass er dabei alle Zweifel am Besitz von Massenvernichtungswaffen des Iraks bei Seite wischte, war wohl der größte Fehler in seiner Karriere. Verspottet als «Bushs Pudel» litt Blair fortan unter Liebesentzug. «Sein Platz in der Geschichte wird vor allem vom Irak-Krieg bestimmt. Das wird für immer in fetten, roten Buchstaben auf seiner Lastenseite stehen», sagt Ian Kershaw, Historiker an der Universität Sheffield. «Blair glaubt niemand mehr ein Wort», urteilt David Hopper, Generalsekretär der Bergarbeitergewerkschaft NUM.
Doch die Entscheidung bereut Blair bis heute nicht. «Ich habe getan, was ich für das Richtige für unser Land hielt», sagte er in der Rede, mit der er Mitte Mai seinen endgültigen Rücktritt ankündigte und seinem ewigen Konkurrenten Gordon Brown den Weg frei machte. Ohne das Amt des Regierungschefs kann Anwaltssohn Blair nun zum Katholizismus übertreten, dem Glauben seiner Frau Cherie, mit der er vier Kinder hat. Ansonsten herrscht über seine Zukunft Unklarheit. Ein Job als Sondergesandter für das Nahost-Quartett ist genauso im Gespräch wie ein Posten als erster, ständiger EU-Präsident oder eine gut dotierte Position in der Finanzwirtschaft. (Annette Reuther/dpa)