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Ende der Ära Blair: Ein Charismatiker geht

25. Jun 2007 16:37
Scheidender britischer Premierminister Tony Blair
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Mit seinem schauspielerischen Talent begeisterte er als jüngster Premier in der Geschichte der Labour-Partei die Menschen. Doch mit der Beteiligung am Irak-Krieg verlor Tony Blair viele Sympathien.

Tim Clark ist Pfadfinder und hat bereits den höchsten Berg der Welt bezwungen. Und Clark versteht auch viel von den Sorgen von Ex-Regierungschefs. Er könne ja jetzt auf den Mount Everest steigen, lautet die Empfehlung des 27-Jährigen für Tony Blair, «es ist nie zu spät.» Ein guter Rat, denn Blair ist Höhenluft gewohnt. Doch nun ist auf allen Gipfeln vorerst Ruh'. An diesem Mittwoch nimmt der britische Premierminister nach zehn Jahren im Amt seinen Hut. Einer der einflussreichsten aber auch umstrittensten Regierungschefs der Welt dankt ab.

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Kritiker und Bewunderer vereint die Überzeugung, dass Blair ein Charismatiker ohne Gleichen ist und - zumindest zu Beginn seiner Amtszeit - die Menschen mitreißen und überzeugen konnte. Als er im Mai 1997 als jüngster Premierminister in der britischen Geschichte für die Labour-Partei an die Macht kam, atmete das Land auf. Nach jahrelanger, grauer Herrschaft der Konservativen herrschte Aufbruchstimmung, die Blair mit seinem jugendlichen, frischen Charme bestens zu nutzen wusste. «Ein neuer Morgen ist angebrochen», verkündete Super-Tony nach seinem bombastischen Wahlsieg.

Viel schauspielerisches Talent

Bei der Verzauberung der Massen und der Medien kam Blair sein schauspielerisches Talent zur Hilfe, das er schon in frühen Jahren auf der Bühne zum Besten gab - egal ob als Frontmann der Rockgruppe «Ugly Rumours» (Hässliche Gerüchte) oder als Marcus Antonius in Shakespeares «Julius Cäsar». «Er hat schon immer darauf geachtet, wie er anderen gegenüber erschien. Er war ein vorzüglicher Schauspieler», sagte sein Lehrer auf der elitären Privatschule Fettes College im schottischen Edinburgh.

Als Architekt von «New Labour» entrümpelte er die Partei von altem sozialistischem Gedankengut. Zusammen mit dem damaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) legte er 1999 Überlegungen zu einer moderneren sozialdemokratischen Politik in Europa vor. Und unter Blair erlebte das Vereinte Königreich einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung: Die Arbeitslosigkeit ist heute so gering, dass andere Regierungschefs vor Neid erblassen.

Trotz Widerstände zieht Blair in den Irak-Krieg

Sein größter Fehler: Mit Bush in den Irak-Krieg zu ziehen
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Doch spätestens nach der Entscheidung, britische Truppen in den Irak zu schicken, verlor der Supermann seine Strahlkraft. Trotz großer Widerstände im eigenen Land, beschloss er nach den Terroranschlägen vom 11. September, «Schulter an Schulter» mit US- Präsident George W. Bush zu stehen. Dass er dabei alle Zweifel am Besitz von Massenvernichtungswaffen des Iraks bei Seite wischte, war wohl der größte Fehler in seiner Karriere.

Verspottet als «Bushs Pudel» litt Blair fortan unter Liebesentzug. «Sein Platz in der Geschichte wird vor allem vom Irak-Krieg bestimmt. Das wird für immer in fetten, roten Buchstaben auf seiner Lastenseite stehen», sagt Ian Kershaw, Historiker an der Universität Sheffield. «Blair glaubt niemand mehr ein Wort», urteilt David Hopper, Generalsekretär der Bergarbeitergewerkschaft NUM.

Doch die Entscheidung bereut Blair bis heute nicht. «Ich habe getan, was ich für das Richtige für unser Land hielt», sagte er in der Rede, mit der er Mitte Mai seinen endgültigen Rücktritt ankündigte und seinem ewigen Konkurrenten Gordon Brown den Weg frei machte. Ohne das Amt des Regierungschefs kann Anwaltssohn Blair nun zum Katholizismus übertreten, dem Glauben seiner Frau Cherie, mit der er vier Kinder hat. Ansonsten herrscht über seine Zukunft Unklarheit. Ein Job als Sondergesandter für das Nahost-Quartett ist genauso im Gespräch wie ein Posten als erster, ständiger EU-Präsident oder eine gut dotierte Position in der Finanzwirtschaft. (Annette Reuther/dpa)

 
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