netzeitung.deWashington erwägt Schließung von Guantanamo

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Gefangene in Guantanamo (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gefangene in Guantanamo
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Hastig hat das Weiße Haus eine Sicherheitstagung zur Zukunft von Guantanamo abgesagt. US-Medien hatten zuvor berichtet, das umstrittene Gefangenenlager könnte geschlossen werden.

Nach Gerüchten über eine mögliche Schließung des Gefangenenlagers Guantanamo hat das Weiße Haus kurzfristig ein für Freitag geplantes Treffen mit Sicherheitsexperten abgeblasen. Es werde kein Treffen stattfinden, zitierte der US-Nachrichtensender CNN den Sprecher des Sicherheitsrates, Gordon Johndroe. Allerdings wollte er sich zu den Gründen nicht äußern.

US-Medien hatte zuvor berichtet, das Weiße Haus nähere sich einer Entscheidung über die Schließung des umstrittenen Gefangenenlagers und die Überführung der dort inhaftierten Terrorverdächtigen in Hochsicherheitsgefängnisse in den USA. Die Bush-Administration und das Justizministerium wiesen die Berichte zurück: Es stehe derzeit keine Entscheidung zur Zukunft des Lagers auf Kuba an.
Cheney widersetzt sich
US-Präsident George W. Bush wolle bereits seit langem das Gefangenenlager schließen, sagte Johndroe. Doch zuvor müssten noch zahlreiche Maßnahmen getroffen werden. Aus Regierungskreisen verlautete, an der abgesagten Sicherheitstagung hätten auch Außenministerin Condoleezza Rice, Verteidigungsminister Robert Gates, Justizminister Alberto Gonzales, der Chef der Heimatschutzbehörde Michael Chertoff und Vizepräsident Dick Cheney teilnehmen sollen.

Bisherige Versuche, das Lager zu schließen, scheiterten vor allem am Widerstand Cheneys, Gonzales' und des früheren Verteidigungsministers Donald Rumsfeld. Inzwischen würden jedoch Außen- und Verteidigungsministerium sowie die Heimatschutzbehörde den Vorstoß unterstützen. In dem Lager halten die Amerikaner noch immer 375 Häftlinge wegen Terrorverdachts fest.

Erst im April 2007 hatte Amnesty International die Haftbedingungen erneut scharf kritisiert. Rund 80 Prozent der Gefangenen würden in Einzelhaft fast ohne Kontakt zur Außenwelt gehalten. In die stählernen Zellen, in denen die Gefangenen etwa 22 Stunden am Tag verbrächten, dringe weder Tageslicht noch frische Luft. Künstliches Licht brenne 24 Stunden, die Insassen würden ständig beobachtet. Ausgang finde stets ohne Kontakt zu anderen Menschen und oft nachts statt, so dass die Gefangenen tagelang kein Sonnenlicht sähen. (nz)