Erneut gewählt wird in den Wahlkreisen, in denen kein Kandidat die absolute Mehrheit erhalten hat. Jeder kann antreten, der beim ersten Urnengang mindestens 12,5 Prozent der Stimmen auf sich vereinen konnte. Beim erneuten Wahlgang genügt die einfache Mehrheit. Der Wahlkampf stieß bei den Franzosen weitgehend auf Desinteresse. Präsident Sarkozy rief die Wähler auf, ihm eine breite Basis für den von ihm propagierten «Bruch» mit der bisherigen Politik zu geben. Die Opposition trat nach der verlorenen Präsidentenwahl ohne Hoffnung auf einen Sieg an und setzt auf eine Schadensbegrenzung. Die Sozialisten mahnten die Wähler, für Pluralität in der Nationalversammlung zu sorgen, und kündigten einen «Neuaufbau» der Partei nach der Wahl an.
Wie den Kommunisten fehlen auch der neuen Zentrumspartei MoDem Bündnispartner, um in Fraktionsstärke von 20 Mandaten ins Parlament einzuziehen. MoDem-Chef François Bayrou, der bei der Präsidentenwahl noch 18,57 Prozent der Stimmen erhalten hatte, kritisierte bei der Stimmabgabe das «ungerechte Wahlsystem», das die Regierungspartei massiv begünstige. Für Bayrou ging es wie auch für die Kommunisten, Trotzkisten, Grünen und die Nationale Front bei der Wahl vor allem darum, die Parteikasse zu füllen. Denn jede Wählerstimme bringt 1,66 Euro vom Staat. Die parlamentsfeindlichen Trotzkisten stellten mit Blick auf die Staatsmittel sogar mehr Kandidaten auf als die UMP.
Hochrechnungen dürfen in Frankreich erst nach der Schließung der letzten Wahlbüros um 20.00 Uhr veröffentlicht werden. Ein vorläufiges amtliches Endergebnis wird nicht vor Montagmorgen erwartet. (dpa)