Iran könnte in drei Jahren Atomwaffen haben
El Baradei appellierte an Teheran und die internationale Gemeinschaft, sich in dem Konflikt rasch auf den Beginn von Verhandlungen zu einigen: «Eines sollte doch inzwischen klar sein: Wir können uns nicht zu mehr Sicherheit hinbomben.» Er warnte davor, sich vor allem auf Sanktionen zu verlassen. Ohne den Iran namentlich zu erwähnen sagte er: «Der Dialog wird als Belohnung für gutes Verhalten zurückgehalten statt als Anreiz für gutes Betragen und die Lösung von Schwierigkeiten zu dienen. Öffentliches Reden ersetzt wirksame Diplomatie.»
Er zeigte sich «besorgt, dass der Iran seine Kapazitäten zur Urananreicherung ausweitet und die Iaeo derzeit keine Möglichkeit zu robusten Inspektionen hat». «Wir sehen, wie sich das Wissen der Iaeo verschlechtert und wir sehen keine Verhandlungen zwischen den beiden Seiten. Dieser Stillstand ist aus der Perspektive der Nicht-Weiterverbreitung nicht akzeptabel.»
Der Iaeo-Generaldirektor forderte, die gesamte Herstellung von nuklearem Brennstoff, vor allem die Urananreicherung, unter internationale Kontrolle zu stellen. Er begrüßte die Bereitschaft Russlands, eine nationale Anlage zur Urananreicherung für den Iran unter internationale Kontrolle zu stellen. Auch der Vorschlag des deutschen Außenministers Frank-Walter Steinmeier, eine multinationale Anreicherungsanlage zu bauen, sei positiv. «Der UN-Sicherheitsrat hätte meiner Ansicht nach eine bessere moralisch Autorität, wenn das die Regeln zur Nichtweiterbreitung und Rüstungskontrolle universell gelten», sagte El Baradei.
Der Leiter der russischen Atomenergie-Agentur, Sergej Kirijenko, sagte, Russland sei nicht nur zur Urananreicherung für den Iran unter internationaler Kontrolle bereit. Moskau erwäge auch, in Russland unter Leitung der Iaeo eine internationale «Bank» für Kernbrennstoffe anzulegen, die allen an friedlicher Nutzung Interessierten einen jederzeitigen Zugang zu angereichertem Uran garantiere. (dpa)

