netzeitung.deTiervergleich empört afghanisches Parlament

 Herausgeber: netzeitung.de

Ex-Präsident Rabbani ist einer der Warlords, die im Parlament sitzen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ex-Präsident Rabbani ist einer der Warlords, die im Parlament sitzen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Eine Abgeordnete in Afghanistan hat das Parlament einen «Zoo» genannt. Nun droht ihr ein Gerichtsverfahren.

Das afghanische Parlament hat eine Abgeordnete ausgeschlossen, die die Loya Jirga als «Stall oder Zoo» bezeichnet hatte. Ihre Kollegen seien wie Tiere, «eine Kuh, die Milch, ein Esel, der etwas trägt, ein treuer Hund», sagte Malalai Joya einem privaten afghanischen Fernsehsender.

Nachdem das Video am Montag in der Loya Jirga gezeigt worden war, stimmten die Abgeordneten für die Suspendierung der 29-Jährigen, wie ein Sprecher mitteilte. Sie darf ihr für fünf Jahre vergebenes Mandat bis zu nächsten Wahl nicht mehr ausüben.

Der Sprecher zitierte einen Gesetzesartikel, der Abgeordnete vor Beleidigungen schützt. Das Parlament will den Fall nun vor Gericht bringen.

Die Abgeordnete Joya, die ihr Mandat 2005 angetreten hatte, kritisierte die Abstimmung als «politische Verschwörung». Sie werde unter Druck gesetzt, seitdem sie sich offen für Menschenrechte eingesetzt und frühere Warlords «Kriminelle» genannt habe.

Einige ehemalige Kriegsherren - unter ihnen der frühere Präsident Burnahuddin Rabbani - sitzen im Parlament. Joya war 2003 dadurch bekannt geworden, dass sie zahlreichen Warlords, die einst gegen die sowjetischen Besatzer gekämpft hatten, öffentlich Menschenrechtsverbrechen vorwarf.

Todesdrohungen und tätliche Angriffe
Im Februar 2007 wurde die Abgeordnete von demonstrierenden Anhängern der Ex-Kriegsherren mit dem Tod bedroht. Im Mai vergangenen Jahres hatten Parlamentarier bereits mit Flaschen nach ihr geworfen. Joya beschuldigte zudem mehrere Abgeordnete, ihr mit Vergewaltigung gedroht zu haben.

Die 29-Jährige will auch nach dem Ausschluss nicht aufgeben. Wenn sie nicht länger im Parlament sitzen könne, sagte sie, werde sie unabhängig davon gegen die «Kriminellen» kämpfen, kündigte sie an. (nz)