netzeitung.deEntführte kolumbianische Politikerin am Leben

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Ingrid Betancourt, ein Jahr vor ihrer Verschleppung (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ingrid Betancourt, ein Jahr vor ihrer Verschleppung
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Seit fünf Jahren ist die kolumbianische Ex-Präsidentschafts-Kandidatin Betancourt in der Hand von Rebellen. Laut einem geflohenen Mitgefangenen lebt sie noch.

Jahrelang hat es kein Lebenszeichen von der kolumbianischen Politikerin Ingrid Betancourt gegeben, die 2002 von den Farc-Rebellen verschleppt wurde. Nun hat ein ebenfalls entführter Polizist berichtet, die Frau noch kürzlich lebend gesehen zu haben.

Jhon Frank Pinchao, der nach neun Jahren Geiselhaft geflohen war, versicherte laut Medienberichten vom Donnerstag in Bogotá, die Politikerin sei eine Mitgefangene gewesen. Er habe sie zuletzt am Tag seiner Flucht am 28. April gesehen.

Nach seiner Flucht sei er 17 Tage lang im kolumbianischen Urwald in der Region Vaupes unweit der Grenze zu Brasilien umherrgeirrt, bevor er von einer Polizeieinheit entdeckt worden sei, so der Polizist. In der Geiselhaft sei er wie andere Entführte zum Teil am Hals angekettet worden. Eine Unachtsamkeit seiner Bewacher habe er ausgenutzt, um «ohne nach hinten zu schauen einfach in den Urwald hinein zu laufen».
Mit Betancourt über Familie gesprochen
Zu Betancourt sagte er, man habe in der Gefangenschaft oft und vor allem über familiäre Dinge gesprochen. «Über die Entführung an sich redet man nach so langer Zeit nicht mehr», versicherte er weinend.

Zuvor hatte sich Pinchao mit Staatspräsident Alvaro Uribe getroffen. Außerdem habe er jüngst auch Ex-Senatsmitglied Luis Eladio Peréz und drei entführte US-Antidrogenbeamte gesehen, sagte Pinchao der Zeitung «El Tiempo». Einer von ihnen, Marc Gonzalves, sei an Hepatitis erkrankt.

Eine andere entführte Politikerin, die Betancourt-Parteikollegin Clara Rojas, habe in der Gefangenschaft der «Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens» (Farc) einen heute drei Jahre alten Sohn zur Welt gebracht. Rojas war zusammen mit Betancourt entführt worden.

Wenige konkrete Lebenszeichen
Ingrid Betancourt, die die französische und kolumbianische Staatsbürgerschaft besitzt, war am 23. Februar 2002 im Präsidentschaftswahlkampf in einem von der Farc kontrollierten Gebiet 600 Kilometer südlich von Bogotá entführt worden. Es gab in den vergangenen Jahren nur sehr wenige konkrete Lebenszeichen von ihr.

Die Farc hält mehr als 50 Geiseln, die die Rebellenorganisation gegen inhaftierte Rebellen austauschen will. Die Farc bekämpft den Staat in Kolumbien seit rund vier Jahrzehnten. (dpa)