Polizei hindert Putin-Kritiker an Reise zum Gipfel
18.05.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Auch mehrere begleitende Journalisten seien festgenommen worden. Kasparows Beraterin sagte der AP, die Beamten hätten dem ehemaligen Schachweltmeister den Pass und das Flugticket abgenommen. Das Oppositionsbündnis «Das andere Russland» hat am Rande des Gipfeltreffens in Samara zu einer Protestkundgebung am Freitagnachmittag im Zentrum der Stadt an der Wolga aufgerufen. Obwohl die Behörden den so genannten Marsch der Dissidenten auf Druck der EU genehmigten, waren bereits in den vergangenen Tagen zahlreiche Organisatoren der Kundgebung sowie weitere Gegner von Präsident Wladimir Putin vorübergehend festgenommen worden.
Auf den Gesprächen lastet unter anderem ein Dauerstreit zwischen Russland und Polen um Fleischlieferungen. Polens Außenministerin Anna Fotyga kritisierte das russische Embargo gegen Fleischimporte aus Polen als «Kriegserklärung». Der außenpolitische Sprecher des russischen Föderationsrates, Michail Margelow, konterte, sein Land werde auch weiter die Grenzen für «gammeliges Fleisch» geschlossen halten.
Auch das Vorgehen der russischen Polizei gegen Demonstranten, der Denkmal-Streit zwischen Russland und Estland, Differenzen in der Kosovo-Frage und der Rüstungsstreit zwischen Russland und den USA haben zu einer erheblichen Belastung der Beziehungen Russlands zum Westen geführt. Der estnische Verteidigungsminister Jaak Aaviksoo forderte die Gipfelteilnehmer auf, auch Internet-Attacken auf estnische Seiten zur Sprache zu bringen. Seit der Verlegung eines sowjetischen Kriegerdenkmals an den Rand der Hauptstadt Tallinn ist es zu massiven Attacken auf estnische Web-Sites gekommen. Dabei seien in einigen Fällen auch IP-Adressen russischer Regierungsbehörden festgestellt worden, sagte Aaviksoo der AP.
Am Donnerstagabend besuchten Merkel, Putin und EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso nach einem gemeinsamen Abendessen ein Konzert des Symphonieorchesters aus Samara mit Solisten des Bolschoi-Theaters. Anschließend lud Putin seine Gäste spontan zu einer Schifffahrt auf der Wolga ein. (nz)

