Vor Gipfel Krise zwischen EU und Russland
«Das wird ein schwieriger Gipfel werden. Wir werden ihn durchführen», sagte der amtierende EU-Ratspräsident am Montag in Brüssel nach Beratungen mit seinen europäischen Amtskollegen. In Moskau will er auch mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow zusammenkommen. Der Gipfel stellt die EU vor eine interne Zerreißprobe.
In Berlin bekräftigte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Interesse der EU an einer «engen strategischen Partnerschaft mit Russland». Allerdings gebe es noch «eine ganze Reihe von Problemen» zu überwinden, bis die Verhandlungen für ein neues Partnerschafts- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und Russland aufgenommen werden könnten. Merkel und Putin hatten am Wochenende lange miteinander telefoniert.
Russland liegt mit Estland im Streit um die Verlegung eines Kriegerdenkmals. Steinmeier sprach von aufgeregten russischen Reaktionen rund um die estnische Botschaft in Moskau. «Wir haben viel Mühe gehabt, zu einer Beruhigung der Situation beizutragen.» Moskau lehnt zudem im Gegensatz zur EU eine Unabhängigkeit des Kosovos ebenso ab wie das von den USA in Tschechien und Polen geplante Raketenabwehrsystem. Steinmeier sagte, die EU sei auf Russland zur Lösung internationaler Konflikte angewiesen.
Die EU blockiert deswegen Russlands Wunsch, in die Welthandelsorganisation WTO einzutreten. Steinmeier erwartet für das Treffen an der Wolga nur Verabredungen zum Klimaschutz, zur Energiesicherheit und zu Bildung und Forschung.
Steinmeier sprach von einem «sehr offenen Gespräch». Er habe zwar Verständnis für die polnischen Wünsche, wandte aber ein: «Wir werden die Sicherheit in Energiefragen nicht durch einseitige europäische Resolutionen erreichen.»
Litauens Außenminister Petras Vaitiekunas sagte, Vilnius werde den EU-Verhandlungen nicht zustimmen, wenn Russland nicht die Mitte 2006 gestoppten Öllieferungen durch die «Druschba»-Pipeline wieder aufnehme. Estlands Außenminister Urmas Paet beklagte russische Übergriffe auf die estnische Botschaft in Moskau: «Wir wollen, dass die Wiener Konvention (zum Schutz von Diplomaten) auch in Russland 365 Tage im Jahr gilt.» (Christian Böhmer / dpa)

