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Sarko – der unnachgiebige Karrierist

07. Mai 2007 08:29
Frisch gewählt: Sarkozy
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Er hat auf alles eine schnelle Antwort – aber als Minister eine durchwachsene Bilanz vorzuweisen. Kritiker sehen Frankreichs frisch gewählten Präsidenten Sarkozy allein auf seine Karriere fixiert.

Die Eroberung des Elysée-Palastes - dieses Ziel hatte der ebenso quirlige wie konservative Nicolas Sarkozy seit Jahrzehnten vor Augen. Mitunter schien es ganz so, als seien die Energiequellen des 52-Jährigen auf dem Weg dorthin unerschöpflich. Für Sarkozy war es wichtig, aber auch nur eine Etappe, als ihn 60.000 Anhänger seiner UMP-Regierungspartei Mitte Januar zu ihrem Präsidentschaftsbewerber «krönten». Seitdem hat der Parteichef und frühere Innenminister das Heft nicht aus der Hand gegeben. Er wollte Jacques Chirac nachfolgen.

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  • Schnitzer seiner linken Rivalin Ségolène Royal kamen ihm dabei entgegen, und zum Höhepunkt des Wahlkampfes ließ er ihre Attacken in dem Fernsehduell ungewohnt ruhig ins Leere laufen. Der abtretende Jacques Chirac stellte sich - wenn auch sehr halbherzig - hinter ihn. Im ersten Wahlgang nahm der Mann, der Recht und Ordnung predigt, dem rechtsextremen Jean-Marie Le Pen geschickt einen Teil der Wähler ab.

    Nicht nur hatte Sarkozy die für einen Sieg aus finanziellen wie logistischen Gründen wichtige Partei bestens im Griff - die UMP (Union für eine Volksbewegung) steht ganz überwiegend hinter dem für seinen brennenden Ehrgeiz bekannten Ex-Minister. Sarkozy als Gegner der sozialistischen Kandidatin, damit war in jedem Fall schon der Generationenwechsel gesichert, wie ihn die Franzosen wollen und wie ihn das Land bitter benötigt. Chirac ist nach zwölf eher profillosen Jahren im Präsidentenamt wohl bald vergessen, und seine Allergie gegen «Speedy Sarko» damit auch. Bei einem Präsidenten Sarkozy könnten aber manche nostalgisch an die privilegierte Achse Paris- Berlin zurückdenken, die zuvor so lange Zeit gepflegt wurde.

    Hört nicht genug zu

    Mit der ihm eigenen Beharrlichkeit und Unnachgiebigkeit arbeitete der Kandidat Sarkozy daran, den Franzosen seinen «friedlichen Bruch» mit der Politik der alten Garde schmackhaft zu machen. «Gemeinsam wird alles möglich», so der Wahlslogan des Mannes, der wie aus der Pistole geschossen auf alles eine Antwort hat, dem der Gegner aber nur eine durchwachsene Bilanz als Minister zugesteht. Er will die Franzosen versöhnen, ein Ministerium für Einwanderung und nationale Identität schaffen und befürwortet eine «vereinfachte EU-Verfassung» zur Vorlage im Parlament. In seinem Buch «Ensemble» bescheinigt er sich, ausgeglichener und vielleicht weiser geworden zu sein - also mit mehr Statur, eine führende Atom- und Wirtschaftsmacht zu lenken.

    Die Franzosen sehen den 1955 geborenen Sohn eines ungarischen Aristokraten und einer Pariser Arzttochter vor allem als mutig und sympathisch an. Und sie trauen ihm zu, auf internationalem Parkett eine gute Figur zu machen und das Land wirtschaftlich reformieren zu können. Was ihm fehlt: Er hört den Franzosen mit ihren Sorgen nicht genug zu. Kritiker sehen Sarkozy allein auf seine Karriere fixiert.

    Seit 2002 Minister

    Manche seiner populistischen Sprüche, von Royal als «brutal» gebrandmarkt, hallen im Land noch nach: Er werde das unruhige junge «Gesindel» in den Vorstädten mit dem «Kärcher» beseitigen, versprach er den Franzosen. Hyperaktiv und kleinwüchsig, von Ehefrau Cécilia um einen halben Kopf überragt, ist der gelernte Anwalt ohne Abschluss einer renommierten «Grande Ecole» schlichtweg einer, der polarisiert. «Tout sauf Sarkozy» (Alles außer Sarkozy) wurde zum Schlachtruf von der extremen Linken bis zur Mitte. Sarkozy, der Industriekapitäne wie Rockstars zu seinen Freunden zählt, gab sich von allem unbeeindruckt.

    Die Karriere des Mannes, den die Sozialisten «den amerikanischen Neoliberalen mit dem französischen Pass nennen», begann 1976 - mit der Gründung von Chiracs neogaullistischer Partei RPR (heute UMP) auf einem Kongress. 28-jährig schon Bürgermeister von Neuilly bei Paris und 1993 erstmals Minister, wurde Sarkozy von Chirac seit 2002 als Minister eingesetzt. Chirac gelang es nicht, den ungeliebten Rivalen im eigenen Lager zu neutralisieren oder gar zu verschleißen. Ganz im Gegenteil. Schon beim Rasieren denke er an den Elysée, meinte Sarkozy einmal. Und das war wirklich kein Scherz. Denn auf diesen Wahlsonntag hatte er doch so lange unablässig und mit voller Kraft hingearbeitet. (Hanns-Jochen Kaffsack, dpa)

     
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